Kunst oder nicht Kunst, das ist hier die Frage. Das "Artometer" von Viktors Svikis beantwortet sie. - © Viktors Svikis, Galerie Michaela Stock
Kunst oder nicht Kunst, das ist hier die Frage. Das "Artometer" von Viktors Svikis beantwortet sie. - © Viktors Svikis, Galerie Michaela Stock

Das Echo spricht

Deutsch

(cai) Skulpturen sind ja in der Regel dreidimensional. Und wenn sie flach an der Wand picken? Sind sie wahrscheinlich vom Lawrence Weiner. Und eindeutig nix für Analphabeten. Aber nicht etwa, weil einem der jeweilige Titel erklären müsste, worum’s da geht, sondern weil der Titel schon das Werk ist und es sich folglich gar nicht um einen Titel handelt.

Sprache als (formbares) Material. Und wenn man die Sprachskulpturen laut vorliest, füllen sie eh den Raum (oder die zwei Räume der Galerie Winter). Der Kopf des Rezipienten ist ebenfalls in 3D. Und in diesem vervollständigt sich das Opus doch erst. Dort wird das Bild quasi gehauen. "Just in time / Zur rechten Zeit" steht auf dem Fenster, während für den Flakturm, in dem das Haus des Meeres drin ist, der Schriftzug "Smashed to pieces (in the still of the night) / Zerschmettert in Stücke (im Frieden der Nacht)" ja bereits abgefahren ist. Bei den Umbauarbeiten hat man ihn durch einen banalen Reim ersetzt: "Erinnern im Innern." Und im Innern der Galerie? Wasser und Feuer.

Wie Echos antworten englische und deutsche Version einander auf gegenüberliegenden Wänden: Die Redensart "All above board" (alles astrein, keiner versteckt sich unter Deck) wird wortwörtlich übersetzt und trotzdem jeder dabei nass: "Alle über Bord." Überall Bedeutungsverschiebungen, die Spannung erzeugen. "Ohtriebn und gwassert": he, Wienerisch! ("Cast adrift upon the surface of the water" sehr frei ins Einheimische übersetzt.) Ist das nicht eigentlich verkehrt herum? Muss man nicht zuerst aufs Wasser, bevor man forttreibt? Und bei so viel Wasser denkt man sowieso automatisch an Bootsflüchtlinge. Kunst kann eben zeitlos und aktuell sein. Und das Feuer? "Spark to flame / Funken zu Flammen." Klingt auch nicht völlig unpolitisch und weltfremd.

Galerie Hubert Winter

(Breite Gasse 17)

Lawrence Weiner, bis 31. August

Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 14 Uhr

Grammophon

frisst Hund

(cai) "Hund frisst Grammophon" - das wäre ebenfalls eine Schlagzeile gewesen. "Grammophon frisst Hund" ist allerdings doch um ein Äutzerl sensationeller. Noch dazu, weil es sich um den berühmtesten Hund der Musikindustrie handelt. Nämlich um den, der in diesem ikonischen Logo angeblich "His Master’s Voice" lauscht. Den hat jetzt der Schalltrichter verschluckt.