Aufgeben gibt’s nicht. So einfach lässt sich die Entstehungsgeschichte des Kunstprojekts "For Forest" beschreiben. Der Baseler Kurator, Künstler und Kunstvermittler Klaus Littmann stieß vor mehr als 30 Jahren auf ein Bild des Tiroler Künstlers Max Peintner. Das utopische Motiv zeigt einen Wald inmitten eines Sportstadions in einer die Umwelt verseuchenden Metropole - vom Publikum auf den Rängen wird der Wald beobachtet. Seitdem verfolgt Littmann mit enormem Durchhaltevermögen das Konzept, dieses pessimistische wie topaktuelle Szenario eins zu eins als Kunstinstallation zu realisieren. Ein Gespräch zur Idee, Umsetzung und Positionierung von "For Forest".

"Wiener Zeitung":Gerade in den vergangenen Monaten haben sich Diskussionen zu Klimawandel und Waldsterben - Stichwort Greta Thunberg - enorm intensiviert. Wie kamen Sie darauf, sich mit der Thematik in der Form auseinanderzusetzen?

Klaus Littmann: Ich habe vor mehr als 30 Jahren im Zuge einer Ausstellung in der Wiener Remise, die Edek Bartz kuratiert hat, in einem Katalog die Zeichnung "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" von Max Peintner aus den Jahren 1970/71 entdeckt und wollte sie eigentlich erwerben. Edek hat mich Peintner vorgestellt und der hat zuerst einmal laut gelacht. Natürlich war die Arbeit schon lange verkauft und hängt in einer amerikanischen Sammlung. Als ich zusätzlich meinte, die Bildidee müsste einmal in situ realisiert werden, hat er mir lächelnd auf die Schulter geklopft und gemeint: "Ja, mach mal, junger Mann!" Und schon stand ich vor der Tür. Aber die Idee hat sich in meinem Kopf festgesetzt.

Dieses Modell wird bald begehbar. - © For Forest
Dieses Modell wird bald begehbar. - © For Forest

Das "vor der Tür stehen" ist Ihnen auf der Suche nach passenden Stadien in den folgenden Jahrzehnten des Öfteren passiert. Wie sind Sie letztendlich auf Klagenfurt gekommen?

Ja, bei funktionierenden Stadien als Austragungsort derartiger Kunstprojekte kommt man nicht rein. Nach Klagenfurt hat mich ein Zufall gebracht: Ich habe vor Jahren auf einem Foto einer Präsentation von Kunst im öffentlichen Raum der Klagenfurter Kunstinitiative "Lendhauer" das Stadion im Hintergrund entdeckt und mir gedacht, was macht ein derart hochmodernes Stadion da? Bei Nachforschungen bin ich draufgekommen, dass das Stadion nicht zu 100 Prozent ausgelastet ist. (lächelt) Damit begann das Klinkenputzen in Kärnten. Beim ersten - offiziell angemeldeten - Besuch des Stadions hat mich der Pförtner, nachdem ich ihm den Grund meines Besuches - ein Kunstprojekt - genannt habe, mit den Worten "Hier sicher nicht!" vor der Tür stehen lassen. Bis 2015, mit der neuen Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz, war es eine aufreibende Sisyphus-Arbeit mit lästigen wie dummen Querschüssen vornehmlich einer Partei. Seitdem läuft das Projekt auf Schiene.