Klaus Littmann ist ein Schweizer Kurator, Künstler und Kunstvermittler. Er realisierte bereits 80 Kunstprojekte im öffentlichen Raum, darunter der "Jardin des Planetes" in Basel. 2002 wurde Littmann mit dem Kulturpreis der Stadt Basel ausgezeichnet. - © For Forest/E. Fradin
Klaus Littmann ist ein Schweizer Kurator, Künstler und Kunstvermittler. Er realisierte bereits 80 Kunstprojekte im öffentlichen Raum, darunter der "Jardin des Planetes" in Basel. 2002 wurde Littmann mit dem Kulturpreis der Stadt Basel ausgezeichnet. - © For Forest/E. Fradin

Die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, dass sie ein Projekt dieser Größenordnung stemmen könnten. Wie sieht die Finanzierung aus?

Von der Stadt bekommen wir das Stadion gebührenfrei. Sonst gibt es drei Beine der Finanzierung. Sammler und Interessierte können Baumpatenschaften übernehmen, die eine von mir handkolorierte Grafik des Bildes von Max Peintner in einer limitierten Auflage beinhaltet. Des Weiteren bekommen wir Sachleistungen von diversen Unternehmen. Und einen bedeutenden Teil machen Zuwendungen von Sammlern, Mäzenen und Stiftungen aus. Das Wiener Dorotheum hat uns da beim Vernetzen sehr geholfen wie auch die Fondation Beyeler in Basel. Für Beyeler ist der Schutz des Waldes ein wichtiger Teil ihrer Programmatik.

Wie wird die Installation technisch-logistisch umgesetzt? Gibt es Kritik am Umgang mit den Bäumen?

Wir haben mit Enzo Enea eine Ikone der Landschaftsarchitektur gewonnen. Er setzt das Projekt in die Realität um. Wir können nur "verschulte Bäume" verwenden: Bäume, die in Ballen gezüchtet werden. Die werden immer wieder sorgsam "umgetopft", damit ihr Wurzelwerk nicht beschädigt wird. Die sind bis zu 30, 40 Jahre alt! Es war nicht einfach, Anbieter zu finden, die uns 299 Bäume für einen Mischwald liefern konnten. Enea hat einen detaillierten Plan entworfen. Es werden Platten ausgelegt und die Ballen der Bäume bis auf 1,10 Meter abgesichert. Auf ein feinmaschiges Netz wird zehn Zentimeter authentischer Waldboden verteilt.

Das bedeutet, Besucher können nicht im Wald flanieren? Und was passiert danach mit den Bäumen?

Genau. Der Wald ist das utopische Ausstellungsobjekt. Die Besucher können von früh bis spät den Wald beobachten. Was bei einer Laufzeit bis Ende Oktober bedeutet, die Verfärbung und das Abfallen der Blätter miterleben zu können. Nach Ende der Präsentation werden alle Bäume in der Nähe des Stadions auf einem Grundstück als permanente Installation, quasi ein zeitgenössisches Land-Art-Projekt, eingepflanzt. Wahrscheinlich mit einer Holzhütte als Informationsort.

Wie verorten Sie das Projekt im Kunstkontext?

Ich betrachte es einerseits als überdimensionale Skulptur und Kunstinstallation; andererseits hat es für mich natürlich etwas Philosophisches - ein Sehnsuchtsort. Selbstverständlich spielt in der inhaltlichen Positionierung die Tagesaktualität eine bedeutende Rolle. In Richtung Mahnmal gegen den Klimawandel. Es beeindruckt mich, dass Peintner vor fast 50 Jahren die Vision hatte, dass es künftig zugewiesene Orte geben wird, wo der Mensch Natur betrachten kann. Bei aller Ästhetik, die "For Forest" in sich birgt, auch ein enorm erschreckender Gedanke!