Ein halbes Jahr macht die ständig wachsende Sammlung feministischer Avantgarde, die Gabriele Schor seit 2004 in Wien aufbaut, Station im Centre de Cultura Contemporània de Barcelona. Zu sehen sind 67 Künstlerinnen - 2015 in der Hamburger Kunsthalle waren es erst 34. Gleich bleibt die Ergänzung internationaler Stars wie Gina Pane, Sanja Iveković oder Judy Chicago mit Werken von Renate Bertlmann, Margot Pilz, Karin Mack oder der Bildhauerin Gerda Fassl aus Österreich. Alle begannen ihre anfangs holprige, teilweise auch von Skandalen begleitete Karriere nach 1968, die Beiträge reichen vom "kulturellen Feminismus" mit seinem Rückblick auf die Göttinnen der Prähistorie bis zum heftigen Protest gegen gesellschaftliche Unterdrückung und Kampf um den Abtreibungsparagrafen, daneben geht es aber auch um die aktive Rolle der Frau in der Kunst, in Museen und am Kunstmarkt, dementsprechend vielfältig sind die ästhetischen Strategien.

Feminismus mit Witz

Für Barcelona sind etwa 200 Arbeiten ausgewählt worden (von bereits über 600 in der Sammlung Verbund), wobei Videos, Fotografie-Serien, Plakate und Installationen abwechseln und nach Kapiteln räumlich geordnet sind. Die Künstlerinnen haben, meist unabhängig voneinander, um 1970 mit neuen Medien an ähnlichen politischen Konzepten gearbeitet, die sich um das Aufbrechen der Rollenreduktion auf Mutter, Hausfrau und Muse, das Gefühl von Ehegefängnis und nötigem Ausbruch, ein Diktat der Schönheit, weibliche Sexualität und spielerische Maskeraden bis zum Alter Ego als kreative Künstlerin und leidender Christus drehen.

Neu ist die Gegenüberstellung mit feministischen Positionen aus Spanien - in Barcelona natürlich mit Schwerpunkt auf Katalonien; einige Positionen wurden dabei für die Sammlung Verbund erworben wie Esther Ferrer, Eulàlia Grau oder Angels Ribé. Erst nach Ende der Franco-Diktatur 1975 konnten die Künstlerinnen ihre Werke öffentlich präsentieren, 1976 eine feministische Konferenz abhalten, und wie Pilar Aymerich Themen wie Ehebruch und unverschuldete Scheidung samt ersten Demonstrationen aufs Tapet bringen.

Parodien gegen die Kirche und staatliche Gesetzgebung im Patriarchat, aber auch normative Schönheitsvorstellungen, dazu Kapitalismuskritik in puncto Werbung und Sexismus, die typische Verdinglichung der Frau zum Sexualobjekt, haben Martha Wilson, Annegret Soltau, Ulrike Rosenbach, Anneke Barger, Eleanor Antin oder auch Martha Rosler mit ihren erheiternden "Semiotics oft the Kitchen" in künstlerisches Neuland geführt. Die Analyse der Sprache mit körperlichen Gesten ist dabei eine wichtige Taktik zur Aufdeckung anhaltender Unterdrückung. Daneben hält Marisa González die Trauer über gefolterte Frauen im Gefängnis wach.

Wie bei jeder ihrer Ausstellungen hat Schor zwischen Cindy Sherman, Francesca Woodman oder Ketty La Rocca Bezüge sichtbar gemacht, die damals festgefahrene Klischees auflockernd einbeziehen. Auch wenn es um Dauerprobleme wie gleichen Lohn für gleiche Arbeit geht, fehlen unterhaltsame Momente nicht. Kunst darf subversiv sein wie Bertlmanns "Hl. Erectus", sie darf mit Kitschmethoden arbeiten, um Machtspiele zu entlarven, darf Brautträume pervertieren zu Schmerzmetaphern, wie es Brigitte Lang mit ihren "Abwehrreaktionen" vorführt: eine Abwehr gegen masochistisches Stillhalten, die damals noch Verfechter des Blasphemie-Paragrafen auf den Plan rief.