Wenn ein Unternehmer, Christian Zott, sein Geld in Kunst parkt und demnächst eine große Kunsthalle südlich von München plant, samt Skulpturenpark, ist dagegen nichts zu sagen. Wenn dieser Unternehmer aber die alte Idee tradiert, die Kunstgeschichte umzuschreiben und das mittels eines begabten italienischen Fotografen, Mauro Fiorese, und des Meisterfälschers Wolfgang Beltracchi, kann eigentlich nur eine dumme Geschichte herauskommen. Allerdings, es sei gleich vorweggesagt, die Kunstgeschichte ist nicht unbeteiligt an dieser Schau, denn sie macht mit und trug schon am Erfolg des Fälschers Mitschuld. Als Motto am Eingang benützt "Kairos" Horst Bredekamps hoffentlich freiwillig gespendeten Zuspruch: "...ein ungeheuer gewitztes Zeugnis einer idealen, ungemalten Kunstgeschichte."

Geschäfte mit dem Anrüchigen

Selbst die Kunsthistorikerstars gestehen sich nicht ein, dass Kennertum zu wenig ist, sie zu geringe Ahnung von Maltechnik haben, und Zweifel an Gemälden nur über chemische Analysen der Restauratoren zu beweisen sind. Aber Geschäftemachen ist offenbar auch ihr Ding, denn es lassen sich noch andere illustre Namen vor den Karren des Projekts spannen, etwa Rainer Metzger.

Beltracchi flog als Fälscher durch das berühmte Titanweiß auf, mit dem er Heinrich Campendonk nachgemalt hatte, das aber zu Lebzeiten des Künstlers noch nicht erzeugt wurde. Nun muss er nach seiner abgesessenen Haftstrafe von seiner Begabung leben und fühlt sich mit Fantasie in Künstler vergangener Epochen ein, um ihren Stil annähernd kopieren zu können. Als Sohn eines Kirchenmalers hat er das auch ohne Akademie gelernt und sich in Kunstgeschichte eingelesen mit seiner Frau, die seine Gemälde verkaufte. Ein Autodidakt also ist Beltracchi, der alle gut täuscht. Und so erschließt sich die Kombination der exakten Farbfotos Fioreses aus Depots berühmter Museen im Vergleich zu den nachempfundenen Malereien von Caravaggio bis Gustav Klimt oder Vermeer bis William Turner nicht. Sie hält aber das Spiel von Original und Fälschung gut am Köcheln. Dazu sind begleitende Tafeln mit Geschichten nötig, um eine neue Reihe an Gemälden vorzuführen, etwa ein nie existierendes Gruppenbild des "Blauen Reiters", ein gerettetes Gemälde nach dem Brand des Glaspalasts in München, ein Blick auf das auslaufende Schiff "Beagle" mit Charles Darwin an Bord, gemalt in der Art William Turners, oder der Mord an Rosa Luxemburg in der Manier von Max Beckmann. Gerade das macht aber dann doch die Unterschiede klar, für welches Publikum hier abseits der Expertenebene im Medienrummel gewerkt wird: das skandalgeile.

Eine Malergangsterstory

Betritt man den Kunsttempel Gustav Peichls noch mit dem Verständnis, dass er zwei Wochen vermietet wird, um ordentliches Aufsehen zur Geldeinbringung zu nützen, damit das seriöse Programm weiterlaufen kann, ist schnell jegliches Verständnis für alle Beteiligten verbraucht. Die Malergangsterstory als Robin Hood gegen die Kunstmafia geht, so reingewaschen, nicht auf. Nun, da Beltracchi seriös weiterleben muss, da ihm Kunsthistoriker wie Werner Spies keine Expertisen mehr für seine Max-Ernst-Wälder schreiben, bleibt dann, auch mit Titel aus der Kunstphilosophie, nur Paraphrase statt Kunst. Ein Irrtum, der aber allen Nichtexperten verkauft wird, die von Avantgarde nichts verstehen und sich lieber in historischem Kitsch aufhalten. Gewürzt mit etwas pornografischen Details, ist die Tötung der Rosa Luxemburg scheinbar so fortschrittlich, wie ein Beckmann ehedem war. Doch auch das funktioniert nur als aufgeblasenes Versatzstück früherer Tage. Zygmunt Bauman nannte unsere seltsame Zeit ein "Retrotopia". Es ist auch das Zeitalter vieler sinnlos gefüllten Geldbörsen.