Ein sonntäglicher Ausflug zur Natur, der nicht ins Wasser fallen kann. Selbst wenn für Sonntag in Klagenfurt Regen prognostiziert wird, kann die offizielle Eröffnung der Kunstintervention "For Forest" problemlos stattfinden. Einer der wenigen Vorteile der kakanischen Trutzburg - genannt Wörtherseestadion - ist, dass sie gesamt überdacht ist. Somit kann der Wald ohne Stress vom Trockenen aus beobachtet werden. Stress gab es in den Jahren, Monaten und Wochen zuvor. Mehr als 30 Jahre hatte der Baseler Kulturschaffende und Kurator ein Ziel vor Augen: die Realisierung einer Bildidee des Künstlers Max Peintner. Die dystopische Zeichnung "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" - Menschen in einem Stadion betrachten einen Wald am Spielfeld - aus 1971 wollte er eins zu eins umsetzen. Nach zahlreichen Anläufen, Klinkenputzen und politischen Querschüssen hat Littmann sein Ziel erreicht. Zieht man die Aktualität mit Klimakrise und brennendem Regenwald in Betracht, ist ihm nach Jahrzehnten Anlauf eine absolute Punktlandung gelungen. "For Forest" besitzt die suggestive Kraft eines Mahnmals mit hoher Symbolkraft. Wobei Littmann betont, für ihn stehe die Kunst im Vordergrund. Eine Festschreibung, die der charmante Tiroler Querkopf Max Peintner nicht gelten lassen will. Für ihn, dem 82-jährigen Ideengeber, ist es vorrangig ein politisches Projekt. Peintner stellt mit ironischer Hinterfragung Klagenfurt als Austragungsort in Frage und meint, im brasilianischen Manaus wäre die Inszenierung noch bildmächtiger. Ein überlegenswerter Ansatz, das Projekt in einem zerstörten Umfeld zu präsentieren. Wobei sich hier die Frage stellt, ob vor Ort tatsächlich noch Muße besteht, über die Zerstörung der Natur nachzudenken, wenn sie bereits passiert ist. Im waldreichen Kärnten, in Österreich und Mitteleuropa fordert die Intervention vom Betrachter ein, zwei Schritte über das Umfeld hinaus zu denken.

Erster Eindruck von "For Forest": ein Triumph zeitgenössischer Landschaftsarchitektur (Enzo Enea). Die Inszenierung des Waldes ist dermaßen perfekt, als wären die teilweise 50 bis 60 Jahre alten Bäume hier gewachsen - alles sauber, sehr adrett. Klar, wie in einem Museum. Dort werden die geschichtsträchtigen Exponate aufopfernd gepflegt und poliert. Somit unterstützt die edle Umsetzung die Intention einer musealen Inszenierung.

Nach einiger Zeit stellt sich beim Beobachten der Mischung aus Bäumen, Sträuchern und Hackschnitzel vor der Kulisse aus Stahl, Beton und Glas ein kontemplativer Moment ein, der zum Sinnieren anregt. Und sei es darüber, ob sich Getier während der Spielzeit des Waldes im Stadion ansiedeln wird.

Auf jeden Fall wird der Wald nach dem Gastauftritt als permanente Installation in der Nähe der Universität eingepflanzt, mit einem von Herzog-DeMeuron-Partner Jaques Herzog entworfenen Pavillon als Besucherzentrum. Der Besuch der Bäume im Stadion ist unbedingt zu empfehlen - die Transformation der mahnenden Inszenierung in ein reales Museumsprojekt werden Menschen hoffentlich nicht erleben müssen. "For Forest" sollte einzigartig bleiben.