Josef Bauer (Jahrgang 1935) lässt den "Buchstaben A" seit etwa 1970 in der Ecke stehen, egal ob er nun schwarz oder weiß angestrichen ist. Er machte das erstmals in der legendären Galerie im Griechenbeisl, seiner künstlerischen Heimat in Wien, nachdem er an der Linzer Kunstuniversität studiert hatte. Der Künstler ließ und lässt auch Buchstaben an Stangen durch den Raum oder die Landschaft tragen - als "Passion in Linz" 1973 hat er dies selbst gemacht. Oft ist nur die Hand mit dem Halten einzelner Buchstaben beschäftigt, was er "Die Sprache des Herzeigens" betitelt und in Fotoserien festgehalten hat. Da war es nicht weit zu Berührungsobjekten, die in seinem Fall mit den Sprachspielen der "Wiener Gruppe" und seinem Freund, dem Filmer Peter Kubelka, zu tun haben und die "Passstücke" von Franz West um 20 Jahre vorwegnahmen.

Denn auch seine "Körpernahen Formen" oder "Halskrausen" wurden an den Körper angelegt, seine Bilder geben "Lineare Informationen" und eine Tischplatte wird auf die Buchstaben "Und" gelegt. Überhaupt kann man in der Ausstellung "Demonstration" performative und fotografische Werke Bauers finden, die als Ideengeber für jüngere Künstler dienten; so könnten Erwin Wurms One-Minute-Sculptures Anregungen von "Taktile Poesie" bezogen haben.

Sprache als Machtinstrument

Die Sprache als Machtinstrument erster Ordnung ist nicht von den amerikanischen Minimalisten angeregt, sondern seit Bauers Kindheit im Zweiten Weltkrieg Motivation für frühe konzeptuelle Überlegungen. Er glaubte bis zum elften Lebensjahr, nach dem Krieg werde es keine Zeitungen mehr geben, da es nichts mehr zu berichten gäbe. Seine Kritik richtete sich daher immer wieder gegen die Nationalsozialisten, die, weil der Vater nicht kollaborierte, auf einem Grundstück der Familie das Mauthausen-Außenlager Gunskirchen errichteten.

1950 malte Bauer erstmals die KZ-Insassen aus dem Gedächtnis. Noch 2018 überarbeitete er Postkarten mit NS-Skulpturen vom Flohmarkt mit seinen typischen Pinselstrichcollagen. Nicht nur die politische Aufarbeitung und damit die "Demonstration" in seiner doppelten Bedeutung als Protest, werden von ihm in "Tatort"-Installationen 1968 behandelt.

Auch die Macht der katholischen Kirche hat er mit bunten Objekten wie "Herrschen und Dienen" 1969 untermauert: Ein rotes Holzkreuz ist geknickt, könnte aber auch eine Verbeugung machen vor einem Sessel, auf dem ein gelbes Brett in Sitzposition gefaltet ist. Eine Interpretation reicht dem politisch denkenden Künstler selten für seine Werkkonzepte.

Nahbezüge zur Sprache waren in den 1970er Jahren seine Leidenschaft - da winkte Ludwig Wittgenstein aus der Vergangenheit und die aktuelle Semiotik als zeitgeistige Methode der Wissenschaft. Ironisch verglich er Schlagstock und Schlagzeile. Die buchstäbliche Aufforderung an Besucher ist, medienkritisch zu agieren, steht doch das Wort "gelb" blau in blau quasi als Zweifarbenbild. Models aus Magazinen schrieb Bauer neue Bedeutungen über ihre Gesichter.

Diese erste Personale in einem Museum kam wirklich spät, macht aber den Geheimtipp unter Kennern hoffentlich bekannter.