Wie ist der Unterschied in der Zusammenarbeit mit männlichen und weiblichen Models?

Im Grunde genommen gibt es keinen Unterschied. Aber: Frauen sind in ihrer Erscheinung und in den Möglichkeiten, ihre Erscheinung zu verändern, vielfältiger. Bei Männern gibt es viel weniger Spielraum. Männern bleibt oft nur ihre Männlichkeit. Frauen stehen unglaublich viele Spielarten der Weiblichkeit und unendlich viele Möglichkeiten, sich selbst in Szene zu setzen, zur Verfügung.

Was ist das Geheimnis guter Bilder?

Ob eine Fotografie wirklich gelingt oder nicht, hängt von subtilen, kleinen Dingen ab: Zum Beispiel dem Ausdruck, der einen Hauch anders ist, die Handhaltung eine Nuance unterschiedlich. Es sind oft Kleinigkeiten, die wichtiges im Bild verändern. Dorthin kann man selbst bei der genauesten Planung - und ich habe meine Bilder immer sehr genau vorbereitet - nur zielen, und wenn man Glück hat, entwickelt das Bild sich so, wie man will.

Gibt es einen spezifisch männlichen oder weiblichen Blick in der Modefotografie?

Ja, den gibt es. Und ich würde ihn nicht auf die Sexualität beschränken. Der weibliche Blick ist der sozialere Blick. Frauen haben eine Rundumschau. Und sie haben ein Sensorium für die sozialen Bindungen der Menschen. Der männliche Blick - zumindest bei heterosexuellen Männern - fokussiert doch sehr stark auf die Frau. Vielleicht ist das ja ein archaischer Blick, bei dem es um das Fortkommen unserer Spezies geht (lacht).

Was hat Sie an der Modefotografie interessiert?

Mein Fokus lag und liegt nicht so sehr auf Mode und gängiger Schönheit, sondern ich konzentriere mich auf die Menschen vor meiner Kamera. Mit einem schönen Model kann man ein gutes Foto machen, aber wenn diese Frau - oder dieser Mann - keine Persönlichkeit hat, dann wird das Foto nicht bemerkenswert sein. Dann wird es vielleicht ein schönes Foto - aber trotzdem langweilig. Die Mode ist ohnehin präsent, denn Menschen tragen vor der Kamera meist Kleidung. Es sei denn, es geht um Aktfotografie. Ein Bild ist nur interessant, wenn der Mensch interessant ist. In meiner Arbeit versuchte ich, mich von Klischees fernzuhalten: Modefotografie sollte immer luxuriös, elegant und schön sein. Das fand ich auf die Dauer nicht spannend. Also habe ich danach gestrebt, die Modefotografie von diesen stereotypen Orten, Geschichten und Styles wegzubewegen.

Frauen werden sehr stark nach ihrem Aussehen beurteilt. Wie finden Sie das?

Das ist - könnte ich jetzt sagen - ein sehr männlicher Standpunkt. Er ist nicht falsch: Auch Frauen beurteilen andere Frauen nach ihrem Aussehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft nicht die schönsten Frauen waren, die die Protagonistinnen in Gesprächen waren. Sondern es standen jene im Mittelpunkt, die etwas zu sagen hatten, die lebendig waren oder einen guten Humor hatten. Es war nie die Schönheit, die im Zusammensein die Hauptrolle gespielt hat.