"Zitrone, Baum und Specht": Ja, stimmt. Skurriles von Benjamin Nachtigall. - © Galerie Gerersdorfer
"Zitrone, Baum und Specht": Ja, stimmt. Skurriles von Benjamin Nachtigall. - © Galerie Gerersdorfer

(cai) Das geht jetzt aber schon ein bissl zu weit. (Wenn Facebook an meine persönlichen Daten rankommen will, macht es das wenigstens nicht so offen.)

Den Leuten Personenwaagen wie Bodenfliesen vor die Füße zu legen, also wirklich. Da würde ich doch nie draufsteigen. Vor Publikum. Okay, es gibt eine Alternativroute. Und es hätte schlimmer kommen können. Die Ausstellung vom Bernard Ammerer in der Galerie Frey heißt nämlich "Vermessung", und da hätte er genauso gut jeden Vernissagebesucher mit dem Schneidermaßband begrüßen können. Was wird hier denn nun vermessen? Der (gemalte) Himmel zum Beispiel. Über den legt sich unsentimental ein strenger Raster wie die Längen- und Breitengrade über den Globus. Oder die Landschaft befindet sich gar noch im Bau. Nüchterne Linien konstruieren ein Gefühl von Weite, und dort setzt der Pinsel dann mit Hingabe Mensch und Tiger aus.

Die Leere, das Nichtgemalte, wird geradezu zum Motiv, zum gleichwertigen Bildgegenstand. Stimmungslandschaften enden plötzlich im weißen Nichts. Die Idylle sabotiert der Künstler sowieso fast zwanghaft (mit Comic-Elementen). Hält sie offenbar nicht aus. Zwischendurch lässt er die intakte Natur freilich wieder zu. "So ein impressionistisches Waldbild hätte ich mir früher nicht zugestanden. Nur Natur, geht’s noch banaler?" Licht und Atmosphäre feinsinnig einzufangen, aber ist das nicht eh mittlerweile subversiv (und nicht naiv)? Generell sollte man genauer hinschauen. Sonst übersieht man am Ende, was dem da ins Gesicht geschrieben steht: "Person." Der schwammige Begriff verdichtet sich zum realistischen Porträt, konkretisiert sich durch seine manische Wiederholung in einem bestimmten Individuum. Wau.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Bernard Ammerer

Bis 31. Oktober

Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Pinguine sind keine Facebook-Freunde

(cai) Harmloser Nippes-Kitsch zum Hinstellen ist das jedenfalls keiner. Und als Staubfänger eignen sich die Dinger schon gar nicht, diese Mischwesen aus Mensch und "Gemübst". Gemübst? Gemüse und Obst. Daraus bestehen die Köpfe. Und zumindest in den nächsten paar Wochen werden die skurrilen Keramik-Figürchen von Benjamin Nachtigall, der außerdem zeichnet und malt, nicht viel Staub ansetzen können. Galerist Horst Gerersdorfer stellt nämlich gleich einmal eines klar: "Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist nicht verboten. - Das ,nicht‘ natürlich in Blockschrift." (Okay: NICHT.) Ringelnatz? Mindestens. Oder Heinz Erhardt? Auch. (Das NICHT ist auf alle Fälle vom Gerersdorfer.)