Hier darf man also nach Lust und Laune Zitronen, Birnen oder Artischocken streicheln. Fühlen sich übrigens gut an. So lebendig. Überall spürt man die knetenden Finger des Künstlers durch die Glasur. Und wo ist der Haken? Was man angreift, muss man kaufen? (In der Obst- und Gemüseabteilung ist es doch ebenfalls verpönt, alles anzutatschen und es dann einfach wieder zurückzulegen.) Nein, eh nicht. He, könnte sich um die Götter der Vegetarier handeln. Könnte. Trotzdem sind’s normale Menschen (nicht ganz normale), die eigentlich nicht viel tun, aber dabei schauen sie ziemlich komisch aus. Und ein surrealer Witz könnte genauso anfangen. Treffen sich eine Zitrone, ein Fisch und ein Pinguin. Oder: Geht eine Artischocke in den Wald und sucht Schwammerln. Beim Magritte haben die Leute halt einen Apfel vor dem Gesicht, während sie beim Nachtigall nix in der Birne haben. (Na ja, die Keramiken sind hohl.)

Nicht, dass man diese groben, aber irgendwie total sympathischen (und originellen) Hybriden nicht ernst nehmen könnte. In Wahrheit sind sie ja tragikomisch. Wirken oft ein bissl verloren. Haben sicher jede Menge Facebook-Freunde, doch wer leistet ihnen im richtigen Leben Gesellschaft? Ein Pinguin oder ein Tukan! Und warum sind alle nackert? Weil man mit der Natur, nach der sie sichtlich große Sehnsucht haben, eben nicht auf Facebook befreundet sein kann, sondern bloß in der realen Welt? (Und die Generation Selfie besitzt sowieso kein Schamgefühl mehr.)

Galerie Gerersdorfer

(Währinger Straße 12)

Benjamin Nachtigall

Bis 12. Oktober

Do., Fr., Sa.: 11 - 20 Uhr