Neue Erkenntnisse zu Albrecht Dürers "Feldhasen", 1502. - © Albertina, Wien
Neue Erkenntnisse zu Albrecht Dürers "Feldhasen", 1502. - © Albertina, Wien

Nach der letzten großen Ausstellung 2003 am Anfang der Direktionszeit von Klaus Albrecht Schröder hat Kurator Christof Metzger mit seinen Forschungen zu Albrecht Dürer (1471-1528) einige überraschend neue Blickwinkel auf den Schöpfer des Feldhasen gerichtet.

Selbst das Leittier der Albertina erweist sich wie viele andere Blätter nicht als einfache Naturstudie, sondern als bewusst komponiertes Demonstrationsstück seiner Werkstatt, die Dürer als Fachatelier für Druckgrafik nach der arrangierten Heirat mit Agnes Frey, auch dank ihres Vermögens, gründen konnte.

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Den Wunsch des Vaters, ins Kunsthandwerk als Goldschmied einzusteigen, hatte er als zeichnendes Wunderkind nach einer Lehre bei Maler Michael Wolgemut aufgegeben. Die damals neuentdeckten Techniken der Druckgrafik sicherten das Überleben, daher spielte die Malerei zunächst eine untergeordnete Rolle.

Ehrgeiz antiker Meister

Die chronologisch und nach einzelnen Themen wie Antike oder Akt strukturierte Schau mit mehr als 200 Werken kann mit dem Grundbestand von 140 Exponaten der Albertina aus direktem Nachlass seiner Werkstatt aufwarten. Es sind die wichtigen Demonstrationsblätter, die über den ersten Sammler, den Nürnberger Kaufmann Willibald Imhoff, und Kaiser Rudolf II. direkt in die Nationalbibliothek in Wien kamen, von wo aus Albert von Sachsen-Teschen sie für die Albertina übernahm.

Imhoff besaß auch das große, aquarellierte Blatt eines Tischbrunnens auf Pergament, das Dürer als Luxusobjekt mit landschaftlichen Details, Menschen und Tieren auf der Plinthe für die Goldschmiede in seiner Familie entworfen hat. Da es in drei Fassungen existiert, galt das Exemplar des British Museum als Original, doch nun ist durch direkte Nachlassherkunft die Eigenhändigkeit für das Wiener Blatt gesichert.

Metzgers Überlegungen zu den virtuosen Vorzeigestücken, die keine Vorstudien von Gemälden waren, sondern Vorbilder für einzelne Handgesten, Köpfe, Kleiderstudien, die der Werkstatt dienten, werden unterstützt durch das mehrhändig ausgeführte Gemälde "Jesus unter den Schriftgelehrten" aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza im Prado. Es zeigt die typische Praxis der Dürerwerkstatt, nämlich eine Zusammenarbeit mit seinem Schüler Hans Baldung Grien und anderen. Letzterer lässt sich über die Form der Barthaare eines Mannes identifizieren, Dürers Meisterschaft ist am Haar erkennbar, egal ob vom Menschen oder Tier, er konnte es mit erkennbarer Präzision absolut naturalistisch nachahmen, das ist nicht nur durch das Fell des Feldhasen legendär. Eine Fliege am Knie der Madonna im "Rosenkranzbild" spielt auf den Ehrgeiz antiker Meister wie Apelles oder Zeuxis in Sachen Wirklichkeitstäuschung an. Auch für Dürer war jedes Ding materialgetreu in allen künstlerischen Techniken der Natur "herauszureißen", wie er schrieb. In der "Anbetung der Könige" von 1504 (Leihgabe aus den Uffizien in Florenz), in seinen Selbstbildnissen und anderen Porträts, auch dem späten "Hl. Hieronymus" (1521, aus Lissabon) hat er es eindrucksvoll bewiesen.