Galerie Emanuel Layr
Mit zehn Besuchern war die Galerie sehr, sehr gut gefüllt. Bei Vernissagen mussten die beiden Galeristen nicht die Angst haben, ob ausreichend Besucher vorbeikommen würden. Voll war es immer. Als Emanuel Layr gemeinsam mit Thomas Wüstenhagen im April 2005 die Galerie für zeitgenössische Kunst layr:wuestenhagen eröffnete, bespielten sie in der Nähe des Museums-quartiers ein etwas größeres Nähkästchen: unten eine kleine Ausstellungsfläche und im oberen Geschoß, das über eine enge Wendeltreppe zu erreichen war, eine Bürofläche, bei der man aufpassen musste, sich nicht den Kopf an der Decke anzuschlagen. Wie Emanuel Layr in späteren Interviews erzählen wird, war es für die beiden Kunstenthusiasten nicht so bedeutend, wie groß die Präsentationsflächen anfangs sind. Es war ungleich wichtiger, einmal eigenständig als Galeristen anzufangen. Ihre Überzeugung, dass der Rest schon kommen wird, bewies ungebrochenen Optimismus.

Thomas Wüstenhagen, der bereits einiges an Erfahrung im Galerienwesen bei Ursula Krinzinger gesammelt hatte, und Emanuel Layr, der zu jener Zeit noch studierte, konzentrierten sich in ihrer künstlerischen Ausrichtung auf junge bis sehr junge Künstlerinnen und Künstler wie Fabian Seiz, Svenja Deininger oder Tillman Kaiser. Als eine der wenigen jungen, innovativen und ambitionierten Galerien Anfang des neuen Jahrtausends in Wien gelang es ihnen relativ schnell, bei internationalen Messen wie der Liste Basel oder der Entdeckerschiene der Art Basel Miami Beach anzutreten. Eine zweischneidige Sache: Zwar fanden vertretene Künstlerinnen und Künstler positiven Zuspruch und auch Sammler, aber nicht selten stand dem exorbitanten Aufwand ein relativ bescheidener Gewinn gegenüber. Das – neben einigen anderen Gründen – bewog Thomas Wüstenhagen, aus dem Galerienbetrieb 2011 auszusteigen und sich nach Jobs bei Kunstmessen (unter anderem Art Basel) als Kunstberater selbständig zu machen.
Seitdem führt Emanuel Layr die Galerie alleine und er hat es mit Konsequenz und Durchhaltevermögen geschafft, sie als Fixpunkt der österreichischen Kunstszene zu etablieren. Nicht nur das: Vor ein paar Jahren hat er auch eine kleine Dependance in Rom eröffnet.

Neben seiner Galerientätigkeit berät er nationale und internationale Sammler und Sammlungen, wie den Wiener Bauunternehmer und Immobilienentwickler Martin Lenikus. Noch immer fährt er ein anspruchsvolles, avantgardistisches Programm und hat bemerkenswerterweise nicht aufgegeben, sperrige, herausfordernde Positionen zu präsentieren. Auch nicht nach fast 15 Jahren. Die Einzelpräsentation "Amos’ World" von Cécile B. Evans zur Art Basel in Basel 2017 hat für enormes Aufsehen gesorgt: eine packende Videoinstallation in einem rauen, engen Betonkubus. Man hätte es sicherer gestalten können bei der weltweit wichtigsten Kunstmesse. Viel Risiko, das sich für Layr im Nachhinein aber ausgezahlt hat. Manche Besucher der Installation fühlten sich jedoch ob der Enge an die erste Galerie beim Museumsquartier erinnert. Der erfolgreiche Weg eines Galeristen, wenn er nach knapp 12jähriger Galerientätigkeit eine Installation in der Größe seiner ersten Galerie auf einer Kunstmesse präsentieren kann.

Viel Platz für Kunst: Alexander Giese in den Räumlichkeiten des Kunsthandels Giese & Schweiger. - © Christoph Liebentritt
Viel Platz für Kunst: Alexander Giese in den Räumlichkeiten des Kunsthandels Giese & Schweiger. - © Christoph Liebentritt

Kunsthandel Giese & Schweiger
Wie die Zeit vergeht. Im kommenden Jahr 2020, das ja quasi vor der Tür steht, wird der renommierte Kunsthandel Giese & Schweiger in der Wiener Innenstadt sein 40jähriges Jubiläum begehen. Ein erstaunliches Alter für einen Kunsthändler, der sich über lange Zeit hauptsächlich auf österreichische Kunst oder Kunst der Habsburgermonarchie des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fokussiert hat. Selbst wenn Namen wie Emil Jakob Schindler, Tina Blau, Olga Wisinger-Florian oder Anton Faistauer – neben Kapazundern wie Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka – immer mehr auch im internationalen Kunstmarkt nachgefragt sind, bewegt man sich als Händler in einem klar strukturierten, definierten und überschaubaren (Sammler-)Markt. Aber Giese & Schweiger beweisen immer wieder die notwendige Flexibilität, um mit überraschenden (Wieder-)Entdeckungen, neuen bekannten Namen oder dem Einbinden zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler nicht nur bei ihrer Klientel punkten zu können, sondern auch neue Sammler zu gewinnen. Davon etwas später – vorerst zurück an den Ursprung.

Zwei benachbarte Kunsthändler, Harald Schweiger und Herbert Giese, haben um 1980 ihren Ehrgeiz und ihre Kraft gebündelt und einen Ausstellungsraum in der Akademiestraße eröffnet. Im eleganten Ambiente präsentieren sie seitdem Höhepunkte der österreichischen Kunstgeschichte der vorletzten beiden Jahrhunderte. Mit der Zeit haben sich die beiden Kunsthändler eine Expertise erarbeitet, die sie immer wieder als Gutachter unter Beweis stellen. Die Konzentration auf diese Epochen bringt es mit sich, dass die Haupttätigkeit von Herbert Giese und seinem Sohn Alexander, der seit fast zwei Jahrzehnten mit von der Partie ist, darin besteht, qualitativ hochstehende Arbeiten aus diesen Epochen aufzustöbern und zu prüfen. "Hauptsächlich kümmern wir uns um Ankäufe", erklärt Alexander Giese. Wenn sie wertvolle, interessante Stücke entdeckt haben, dann haben sie meist auch schon den Kunden dafür. Das über Jahrzehnte erworbene Renommée der Kunsthändler und die Verknappung auf diesem Sektor bringen mit sich, dass viele Sammler schon auf Neuerwerbungen warten. Und es kommen doch immer wieder große Sammlungen auf den Markt, wie vor kurzem, wie Alexander Giese erzählt: "Eine Sammlung mit hunderten Arbeiten, die wir nun katalogisieren, teilweise restaurieren lassen und neu rahmen. Eine Wahnsinnsarbeit, die wir aber mit viel Lust und Freude machen – denn so häufig passiert es nicht mehr, eine derartige Sammlung aufarbeiten und verwerten zu können", erzählt Giese im Gespräch mit dem "Wiener Journal".

Aber was sind die Zukunftsperspektiven von Giese & Schweiger, wenn das Angebot aus den Stilepochen immer seltener wird? Sie gehen in die Offensive: Sie werden im kommenden Jahr die Ausstellungsfläche durch Zumietung um mehr als 220 Quadratmeter vergrößern. Derzeit wird nicht nur die gesamte Immobilie renoviert, sondern auch der angrenzende, beeindruckend hohe Raum, den sie aufwendig umgestalten und hier künftig Ausstellungen planen. Und die können aus einem kuratierten Mix aus Stammrepertoire und zeitgenössischen Positionen bestehen. "So wie wir es schon auf unserem Stand bei der Art Vienna gemacht haben – zum Beispiel Schmalix Klimt gegenüberzustellen", erläutert Alexander Giese, der auch Erfahrungen bei einer zeitgenössischen Galerie in der Schweiz gesammelt hat. "Es ist auf jeden Fall klar, dass wir die Chance dieses einzigartigen Raumzuwachses einerseits inhaltlich als auch zu einer graduellen Neupositionierung nutzen werden!"

Christian Siekmeier hat seine Galerie von Berlin nach Wien übersiedelt – ein mutiger Schritt, den er nicht bereut. - © Christoph Liebentritt
Christian Siekmeier hat seine Galerie von Berlin nach Wien übersiedelt – ein mutiger Schritt, den er nicht bereut. - © Christoph Liebentritt

Exile Gallery
Der Umzug sorgte für Furore in deutschen Medien. Als sich der Gründer der Galerie mit dem treffenden Namen "Exile", Christian Siekmeier, vor etwas mehr als einem Jahr entschlossen hatte, seine Räume in der vermeintlichen Welthauptstadt des kreativen, aber armen Kunstschaffens zuzusperren und nach Wien zu siedeln, waren Medien in Berlin einigermaßen konsterniert: Nach Wien? In die Stadt von Sisi und des Opernballs? Okay, da wurden, nicht nur im Fall von Siekmeiers Galerie, einige tradierte Wien-Klischees wieder aufgewärmt. Aber nichtsdestotrotz erschien der Umzug hinterfragenswert. Wobei die Exile Gallery nicht einmal die einzige bundesdeutsche Galerie gewesen ist, die in den vergangenen Jahren in Wien ihre Zelte neu aufgeschlagen hat. Denn Galerien wie zum Beispiel Crone, Croy Nielsen oder Beck & Eggeling sind ebenfalls entweder gänzlich in die Donaumetropole übersiedelt oder haben hier zumindest eine Dependance eröffnet.

Die Entscheidungsfindung mag bei manchen bei der vorteilhaften Mehrwertsteuergesetzgebung in Österreich oder dem rigiden deutschen Kulturschutzgesetz liegen. Einen anderen Aspekt führt Christian Siekmeier ins Treffen. "Die Stadt Wien, der österreichische Staat unterstützen Galerien nachhaltiger als es in Berlin praktiziert wird. Hier fühlt man sich willkommen und von einem Förderungsprogramm für die Teilnahme an internationalen Kunstmessen können Galerien in Berlin nur träumen", erklärte Siekmeier in einem Interview. Wie auch immer, dem Standort Wien und seinem Ansehen als Kunstmetropole haben die Zuzüge ungemein geholfen.

Und der künstlerischen Schärfung unterschiedlicher Programmatiken, Zugangsweisen, Blickweisen und Konzeptionen ebenfalls. Allein wenn man sich das Ausstellungsprogramm der Exile Gallery näher betrachtet, fällt unmittelbar auf, dass sie sich fast jeder zeitlichen, stilmäßigen und kunsthistorischen Zuordnung entzieht. Christian Siekmeier bereitet es offensichtlich Freude, oberflächlichen Klassifizierungen auszuweichen. Daher hatte er auch überhaupt keine Berührungsängste, bei der heurigen ars electronica in Linz Anfang September Künstler wie Fette Sans, Lou Cantor und Patrick Panetta zu präsentieren und nur eine Woche später – ab dem 12. September – die Ausstellung "East of the West" mit der 1937 in Wien geborenen Künstlerin Tess Jaray anzukündigen. Weil es für ihn einfach wichtig ist, einer bemerkenswerten Künstlerin, die mit ihrer Familie Wien verlassen musste, hier endlich wieder eine Präsentationsplattform zu bieten. Es bedarf unerschrockener Kunstmaniacs wie Christian Siekmeier, um die Kunstszene einer Stadt, vielleicht sogar die eines Landes, gegebenenfalls wieder aus einer gewissen Saturiertheit und wohligen Zufriedenheit zu reißen.

Für Sophie Tappeiner sind Sichtbarkeit und Verbreitung zeitgenössischer Kunst nicht an regionale Grenzen gebunden. - © Christoph Liebentritt
Für Sophie Tappeiner sind Sichtbarkeit und Verbreitung zeitgenössischer Kunst nicht an regionale Grenzen gebunden. - © Christoph Liebentritt

Galerie Sophie Tappeiner
Fast zehn Jahre passierte gar nichts. Haben rund um das Jahr 2005 einige junge, engagierte Galerien wie layr:wuestenhagen, Dana Charkasi oder Andreas Huber in Wien ihre Pforten geöffnet – und einige ein paar Jahre später in den Nachwehen der großen Wirtschaftskrise nach 2008 auch wieder geschlossen –, passierte bei Neueröffnungen von Galerien wenig bis gar nichts in der Donaumetropole. Wien war und ist kein einfaches Pflaster, was die Rezeption zeitgenössischer Kunst bei potenziellen Sammlern betrifft. Das hat sich, auch wenn sich einiges dahingehend zum Positiven verändert hat, noch nicht entscheidend verändert. Bei anderen Ländern wie der Schweiz oder Belgien – von Deutschland oder Großbritannien einmal abgesehen – gewinnt der Beobachter eher den Eindruck, dass man sich mit aktuellen Tendenzen der Kunst nicht nur auseinandersetzt, sondern auch willens ist, die Exponate zu erwerben. In Wien gestaltet es sich meist langwierig und mühsam. Ein kleiner Käufermarkt, der wirklich hart umkämpft ist.

Und plötzlich zeichnete sich vor einigen Jahren eine ambitionierte Gründergeneration bei Galerien ab. Neueröffnungen wie Gianni Manhattan, Zeller van Almsick, Lisa Kandlhofer oder die Vin Vin Gallery sorgten dafür, dass sich Wien plötzlich nicht nur wegen seiner ausgezeichneten, musealen Institutionen wie mumok, Secession, Belvedere 21, Kunstraum Niederösterreich oder Kunsthalle auf der Roadmap des internationalen Kunsttourismus wiederfand, sondern auch, weil es ganz aktuelle, sperrige, spannende und überaus innovative Kunst in Galerien zu sehen gibt.

Die Galeristin Sophie Tappeiner ist eine von den Wagemutigen, die sich gegen einen merkbaren internationalen Trend stellen, der besagt, dass es für kleine und mittlere Ausstellungsräume immer schwieriger wird, finanziell zu überleben. Damit fällt aber auch ein entscheidender Faktor der Kunst der Gewinnmaximierung zum Opfer: der kontinuierliche Aufbau und die Betreuung von jungen Künstlerinnen und Künstlern. Davon hat sich Tappeiner nicht abschrecken lassen. Wobei sie im Gespräch immer wieder betont, dass für sie vorrangig die internationale Perspektive zählt. Die Sichtbarkeit und Verbreitung von zeitgenössischer Kunst ist ihrer Meinung nach absolut nicht mehr an regionale Grenzen gebunden. Mit moderner Technik, Bildübertragung können Sammler innerhalb kurzer Zeit über neue Arbeiten informiert werden.

Nachdem sie 2014 aus London nach Wien zurückgekehrt ist, haben ihr in Wien eben solche international agierende Galerien gefehlt und sie hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt. "Mein persönlicher Ansatz ist es, intensiv mit Künstlerinnen und Künstlern zu kooperieren und zu versuchen, sie verstärkt ins Rampenlicht einer globalen Kunstszene zu setzen", erläutert sie ihre Entscheidung und Ausrichtung. Aus ihrer Geschichte definiert sie sich als internationale Galerie, was sich auch daran zeigt, bei Messen in Wien, Paris oder Berlin vertreten zu sein. Wobei sie aber ebenfalls intensiv daran arbeitet, auch vor Ort eine junge, lokale Sammlergeneration aufzubauen und nachhaltig zu betreuen.