Christian Siekmeier hat seine Galerie von Berlin nach Wien übersiedelt – ein mutiger Schritt, den er nicht bereut. - © Christoph Liebentritt
Christian Siekmeier hat seine Galerie von Berlin nach Wien übersiedelt – ein mutiger Schritt, den er nicht bereut. - © Christoph Liebentritt

Exile Gallery
Der Umzug sorgte für Furore in deutschen Medien. Als sich der Gründer der Galerie mit dem treffenden Namen "Exile", Christian Siekmeier, vor etwas mehr als einem Jahr entschlossen hatte, seine Räume in der vermeintlichen Welthauptstadt des kreativen, aber armen Kunstschaffens zuzusperren und nach Wien zu siedeln, waren Medien in Berlin einigermaßen konsterniert: Nach Wien? In die Stadt von Sisi und des Opernballs? Okay, da wurden, nicht nur im Fall von Siekmeiers Galerie, einige tradierte Wien-Klischees wieder aufgewärmt. Aber nichtsdestotrotz erschien der Umzug hinterfragenswert. Wobei die Exile Gallery nicht einmal die einzige bundesdeutsche Galerie gewesen ist, die in den vergangenen Jahren in Wien ihre Zelte neu aufgeschlagen hat. Denn Galerien wie zum Beispiel Crone, Croy Nielsen oder Beck & Eggeling sind ebenfalls entweder gänzlich in die Donaumetropole übersiedelt oder haben hier zumindest eine Dependance eröffnet.

Die Entscheidungsfindung mag bei manchen bei der vorteilhaften Mehrwertsteuergesetzgebung in Österreich oder dem rigiden deutschen Kulturschutzgesetz liegen. Einen anderen Aspekt führt Christian Siekmeier ins Treffen. "Die Stadt Wien, der österreichische Staat unterstützen Galerien nachhaltiger als es in Berlin praktiziert wird. Hier fühlt man sich willkommen und von einem Förderungsprogramm für die Teilnahme an internationalen Kunstmessen können Galerien in Berlin nur träumen", erklärte Siekmeier in einem Interview. Wie auch immer, dem Standort Wien und seinem Ansehen als Kunstmetropole haben die Zuzüge ungemein geholfen.

Und der künstlerischen Schärfung unterschiedlicher Programmatiken, Zugangsweisen, Blickweisen und Konzeptionen ebenfalls. Allein wenn man sich das Ausstellungsprogramm der Exile Gallery näher betrachtet, fällt unmittelbar auf, dass sie sich fast jeder zeitlichen, stilmäßigen und kunsthistorischen Zuordnung entzieht. Christian Siekmeier bereitet es offensichtlich Freude, oberflächlichen Klassifizierungen auszuweichen. Daher hatte er auch überhaupt keine Berührungsängste, bei der heurigen ars electronica in Linz Anfang September Künstler wie Fette Sans, Lou Cantor und Patrick Panetta zu präsentieren und nur eine Woche später – ab dem 12. September – die Ausstellung "East of the West" mit der 1937 in Wien geborenen Künstlerin Tess Jaray anzukündigen. Weil es für ihn einfach wichtig ist, einer bemerkenswerten Künstlerin, die mit ihrer Familie Wien verlassen musste, hier endlich wieder eine Präsentationsplattform zu bieten. Es bedarf unerschrockener Kunstmaniacs wie Christian Siekmeier, um die Kunstszene einer Stadt, vielleicht sogar die eines Landes, gegebenenfalls wieder aus einer gewissen Saturiertheit und wohligen Zufriedenheit zu reißen.

Für Sophie Tappeiner sind Sichtbarkeit und Verbreitung zeitgenössischer Kunst nicht an regionale Grenzen gebunden. - © Christoph Liebentritt
Für Sophie Tappeiner sind Sichtbarkeit und Verbreitung zeitgenössischer Kunst nicht an regionale Grenzen gebunden. - © Christoph Liebentritt

Galerie Sophie Tappeiner
Fast zehn Jahre passierte gar nichts. Haben rund um das Jahr 2005 einige junge, engagierte Galerien wie layr:wuestenhagen, Dana Charkasi oder Andreas Huber in Wien ihre Pforten geöffnet – und einige ein paar Jahre später in den Nachwehen der großen Wirtschaftskrise nach 2008 auch wieder geschlossen –, passierte bei Neueröffnungen von Galerien wenig bis gar nichts in der Donaumetropole. Wien war und ist kein einfaches Pflaster, was die Rezeption zeitgenössischer Kunst bei potenziellen Sammlern betrifft. Das hat sich, auch wenn sich einiges dahingehend zum Positiven verändert hat, noch nicht entscheidend verändert. Bei anderen Ländern wie der Schweiz oder Belgien – von Deutschland oder Großbritannien einmal abgesehen – gewinnt der Beobachter eher den Eindruck, dass man sich mit aktuellen Tendenzen der Kunst nicht nur auseinandersetzt, sondern auch willens ist, die Exponate zu erwerben. In Wien gestaltet es sich meist langwierig und mühsam. Ein kleiner Käufermarkt, der wirklich hart umkämpft ist.