Die Farbe ist bei Martin Pohl noch auf der Suche. - © Galerie Feichtner
Die Farbe ist bei Martin Pohl noch auf der Suche. - © Galerie Feichtner

Der Wald hat sein eigenes Internet

(cai) Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand hört’s, weil kein Schwein in der Nähe ist (und auch kein anderes Lebewesen mit Ohren), macht der dann überhaupt ein Geräusch? Eine Antwort auf diese Frage liefert die Ausstellung im MAG3 zwar ebenfalls nicht, aber dort ist dafür eines ganz klar: Wenn keiner da ist, zwitschern die Vögel nimmer. Im Projektraum. Was allerdings genauso wieder niemand live mitkriegen wird.

Bewegungsmelder steuern jedenfalls den Ton dieser betörenden interaktiven Installation, die den Besucher mit viel Natur und einer kitschig bunten Lichtshow bezirzt. Yto Aranda hat hier quasi ein Paradiesgärtlein (oder -wäldchen) angelegt, den hartblättrigen Wald ihrer Heimat Chile in ihr transmediales "Natural Network System" übersetzt, eine lebendige Symbiose zwischen Natur und Kunst, Ökologie und Spiritualität. Zentral: ein "Teppich" aus fruchtbarer Erde, in den LED-Lamperln ein indigenes Ornament hineinglühen. "Nuke Mapu", die Mutter Erde der Mapuche. Ein Kreis, Sonnensymbole. Dazwischen wächst dekorativ diverses Grünzeug. An den Wänden: Stickrahmen mit den ober- und unterirdischen Vertretern der Fauna und Flora, verbunden mit orangem Klebeband, weil der Wald eben nicht nur öko ist, der ist ein Öko-System, und in dem netzwerken die Tiere und Pflanzen. Und ist alles in ständigem Wandel wie die Farben der Lichter, die die Motive malerisch kolorieren. Gue Schmidt vom MAG3: "Die Linsen sind am Eingehen. Die werde ich durch Kresse ersetzen." Klingt erschreckend aktuell. Also das mit dem Eingehen. Auch wenn da wohl nicht der Klimawandel schuld ist. Offenbar können halt Sonnensymbole und eine stimmungsvolle Lichtmalerei die echte Sonne nicht ersetzen, kann sich die Natur nicht von der Kunst ernähren. Schade.

Bewegung ist was für Maschinen

(cai) Die Bilder vom Martin Pohl sind übrigens nicht das Werk eines Roboters. Eh nicht. Außerdem: Wer würde einen Roboter Martin Pohl nennen? Im Keller stellt allerdings ein kreativer Bastler von diversen Malrobotern aus. Nicht, dass seine "Robocassos" mit den kraftvollen, farbstarken barocken Gesten im Parterre der Galerie Feichtner was zu tun gehabt hätten.

Die schwungvoll aufgespachtelte Farbe scheint grad dabei zu sein, ihre Form zu finden, während sie sich organisch windet, unglaublich plastisch, und suchend über die silbrige Fläche kriecht. Einem Rot wachsen Äste, ein Violett "sumoringt" mit sich selbst und bewegt sich vielleicht bloß zu langsam fürs Auge. Und wenn man einfach nur lange genug wartet, erfährt man am Ende, wie’s ausgeht? Kinetische Energie ist da jedenfalls reichlich gespeichert. Im Basement drehen sich die Zahnräder aber schnell genug. Wie in Uhrwerken. Freilich nicht wie in denen aus der Schweiz. Niki Passath ist in seiner interdisziplinären Kunst (Malerei, Performance, Robotik) nämlich ein Verfechter der Unvollkommenheit: "Ich bin sehr gerne fehlerhaft." Die hyperaktiven Geschöpfe aus Holz sind sowieso keine Zeitmesser, es sind Akteure in seinem "Theatrum Mundi", dem mechanischen Welttheater dieses Technikpoeten. Alle machen dieselbe "Turnübung" und sind dabei durch Staberln gut vernetzt. Sind wir das? Wie wir im World Wide Web zappeln? He, und wozu brauchen diese Bilder dort Strom? Für ein noch viel mysteriöseres Schauspiel. Würfel erscheinen und verschwinden, wandern durch die Dimensionen. Wärmezeichnungen. Thermochromatische Farbe reagiert auf den Draht hinten, der sich aufheizt. Und den der Künstler geduldig angenäht hat. Repetitive Handlungen, die über Stunden andauern ("Ich fühl mich dann selbst ein bisschen wie eine Maschine"), ist Passath ja von früher gewohnt. Vom Celloüben.

"Los Dadores De Dolor": Für den 27. September ist ein Gesamtkunstwerk des Schmerzes geplant (19.30 Uhr). Auch für mitfühlende Vegetarier geeignet. Das Fleisch, das von einem Tattoo-Bot traktiert werden wird, soll zumindest nicht tierischen Ursprungs sein. (Nein, menschlichen ebenfalls nicht.)