Nach Fortschritt der Renovierungsarbeiten im Künstlerhaus zu urteilen, wird die Eröffnung im März 2020 klappen. Eigentlich wollte man bereits 2018 eröffnen, doch die Einbauten von Klimatechnik, Beleuchtung und vor allem der Fluchtstiegenhäuser sowie die akribische Rekonstruktion der originalen Innenausstattung mit Scheinmarmor und Terrazzoböden haben die Eröffnung etwas verzögert.

Die italienische Technik wird mit Steinchen aus Pordenone, aber wie die Ausführung der "Stucco lustro"-Stuckmarmorierung von österreichischen Spezialisten ausgeführt. Architekt August Weber (1863-1903) hat 1865/68 eine italienische Renaissance-Villa im Stil des Historismus erbaut, die Polychromie war nach neuester Mode der Ringstraßenzeit; 1868 wurden die beiden Flügel angebaut, die heute als Kino (Stadtkino seit 2013) und als Theater dienen (dietheater seit 1989, seit 2007: brut). Ob das Koproduktionshaus brut in diese Räumlichkeiten zurückkehren wird, ist derzeit noch offen, weder die Konditionen der Nutzung sind geklärt noch die Finanzierung der Renovierungskosten des Theaterraums, die mehr als doppelt so hoch ausfielen als geplant.

Umbauphasen

Das Künstlerhaus befand sich in seiner langjährigen Geschichte häufig in Umbau- und Umbruchphasen. Nachdem sich die Avantgardekünstler in die Secession und den Hagenbund absetzten, gab es schon 1930 erste Abrisspläne, da der niedrige historistische Bau nicht mehr zeitgemäß war; 1935 vom jungen Roland Rainer angefeuert, ging die Diskussion nach 1945 weiter, zumal viele Künstlerhaus-Künstler der nationalsozialistischen Reichskammer angehört hatten. Stararchitekt Karl Schwanzer wollte ein IBM-Bürogebäude an seiner Stelle errichten, doch eine kleine Gruppe verhinderte den von Otto Demus, seinerzeit Präsident des Bundesdenkmalamts, schon genehmigten Abriss. Den Erhalt des Hauses musste der Verein in der Folge durch Vermietung an die Wiener Festwochen, später das Kunsthistorische Museum und schließlich auch das Wien Museum sichern: Es beherbergte die spektakulären Ausstellungen Hans Holleins "Türken vor Wien" sowie "Traum und Wirklichkeit", Werner Hofmanns "Zauber der Medusa" und einige Großausstellungen von Wolfgang Kos.

Zuletzt verursachte ein Gewitter bereits Wasserschäden an geliehenen Gemälden Hans Makarts, denn statt die Substanz zu retten, ließ man das Haus weiter verfallen. 2015/16 übernahm die private Familienstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner diese Aufgabe und investierte bislang 50 Millionen Euro.

Die inhaltliche Führung übergab Haselsteiner an die Albertina. Der Mäzen hat Direktor Klaus Albrecht Schröder auch mit der Sammlung Essl betraut. Die Kunstsammlung wurde nach dem Konkurs von bauMax-Gründer Karlheinz Essl 2018 von Haselsteiner zu einem Teil übernommen. Unter dem Namen Albertina modern soll nun im Erdgeschoß des Künstlerhauses auf 2500 Quadratmetern ein neues Kunstmuseum entstehen. Läuft alles nach Plan, wird die Albertina modern am 12. März 2020 mit der Ausstellung "The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980" eröffnen. Weiter geht es mit einem Blick auf die internationalen Positionen aus der Sammlung Essl sowie der Gegenwartskunstsammlung der Albertina (insgesamt 60.000 Werke), die dritte Ausstellung wird sich mit den 1980er Jahren in Österreich befassen. Weiters bespielt die Albertina modern eine Cafeteria sowie einen Teil des Untergeschoßes.

Den ersten Stock nutzt fortan der Verein der bildenden Künstlerinnen und Künstler Österreichs, wobei die 900 Quadratmeter auch eine neue Factory enthalten, von der aus man, wie auch vom Plastikersaal darunter, in das neue Stiegenhaus gelangt und so auch die Büros unterm Dach erreicht. Mit dem Verein hat sich der Mäzen geeinigt, doch die knappe Abstimmung lässt kommende Streitfragen befürchtens.