Irgendjemand fehlt dann immer. Es ist in den Vorjahren schon zur Tradition geworden, dass sich bei jeder Ausgabe der Kunstmesse Viennacontemporary jemand aus dem Managementteam verabschiedet. War es 2018 die künstlerische Leiterin Christine Steinbrecher, ist es heuer der kaufmännische Direktor Render van den Heuvel, der die Segel streicht. Ein Nachfolger wird gesucht.

Auf der künstlerischen Seite wurde eine Nachfolgerin gefunden: Johanna Chromik. Die gebürtige Polin, die internationale Erfahrung sowohl bei Galerien wie Pace oder Eigen + Art als auch bei bekannten Sammlungen wie Frieder Burda sammeln konnte, zeichnet nun erstmals für die Galerienauswahl und die Programmatik der Messe verantwortlich. In der Programmatik hat sich nicht viel verändert: Der Fokus auf Galerien aus Zentral- und Osteuropa bleibt bestehen. 28 Galerien kommen aus Staaten wie Ungarn, Rumänien, Serbien oder Polen. In der von Fiona Liewehr kuratierten Präsentation "Zone 1" zeigen zehn Galerien Einzelpositionen von Künstlerinnen und Künstlern unter 40 Jahren. Neu im Programm ist die Schiene "Explorations", die von Harald Krejci zusammengestellt wurde und die sich auf Kunstpositionen der 1960er und 70er Jahre konzentriert. Insgesamt sind bei der fünften Viennacontemporary 110 Galerien aus 26 Ländern vertreten; ein erster Rundgang offenbart sehr unterschiedliche Qualitäten.

Robert Klemmer, "Laufender Klemmer", 1970. - © Konzett/ViennaCont.
Robert Klemmer, "Laufender Klemmer", 1970. - © Konzett/ViennaCont.

Bei den "Explorations" sticht die Präsentation von Tess Jaray bei der Galerie Exile ins Auge. Galerist Christian Siekmeier betont, dass die Messepräsentation und gleichzeitige Einzelausstellung in seiner Galerie die erste Schau der 1937 in Wien geborenen und 1938 geflohenen Künstlerin ist. Ein besonderer Moment, wenn hier malerisch-subtile Arbeiten von 1964 gezeigt werden, die Erinnerungen an Wiener Bauwerke widerspiegeln (150.000 Euro). Bei der "Zone 1" bleibt das zwischen strengem Formalismus und Ironie zusammengewürfelte Wartezimmer von Marina Sula (Galerie Senn) in Erinnerung. Die Arbeiten in unterschiedlichen Medien wie Fotografie, Skulptur und Zeichnung liegen zwischen 1200 und 4500 Euro.

Bei den regulären Galerien gilt es, folgende Positionen zu entdecken: Sabrina Amrani aus Madrid ist zum ersten Mal in Wien vertreten und beeindruckt mit einer stimmigen Auswahl. Vor allem die intensiven Arbeiten der jungen südafrikanischen Künstlerin Alexandra Karakashian bleiben im Gedächtnis. Ihre Werke, die sie mit schwarzem Öl grundiert, bewegen sich zwischen 1200 und 4000 Euro. Sehr stark und konzentriert sind die reduzierten, leere Räume schaffenden Arbeiten von Martina Steckholzer bei der Galerie Doris Ghetta aus Italien (16.000 Euro).

Tonnenweise Marmor

Bei der Brüsseler Galerie Marie-Laure Fleisch lohnen malerische Kompositionen - zwischen Technologie und Natur - der Schwedin Christine Ödlund (Aquarelle 6600 Euro, Leinwand 28.000 Euro) und eine ungestüme Zeichnung von Nikolaus Gansterer (5500 Euro) einen zweiten Blick. Bei Meyer Kainer überrascht Heimo Zobernig mit einem neuen Duktus in seiner Malerei. Die Doyenne der heimischen Galerienszene, Ursula Krinzinger, setzt auf Arbeiten von Mark Wallinger (85.000 Euro), einen tollen Franz Graf (45.000 Euro) und die humorvollen techno-sexy Papierarbeiten von Hanakam Schuller (1900 Euro). Mario Mauroner rückt die dynamische Malerei des Kubaners José Yaque ins Rampenlicht. Die derzeitige, für internationale Verhältnisse günstige Preislage von 26.000 Euro für relativ große Leinwände dürfte in naher Zukunft nach oben revidiert werden. Bei der letztwöchigen Kunstmesse Expo in Chicago wurden für nur wenig größere Formate bereits 85.000 US-Dollar veranschlagt und auch bezahlt. Gewichtig gestaltet es sich bei der Galerie Kandlhofer: Die mehr als drei Tonnen schwere Marmorskulptur "Anarchiv" Markus Redls verwendet rätselhaft-spielerisch Fragmente eines Palindroms (150.000 Euro).

Eine Wahl kann an diesem Wochenende bedenkenlos getroffen werden - der Besuch der Viennacontemporary.