Wien. Knalleffekt in der Wiener Kulturszene: Eike Schmidt wird die Leitung des Kunsthistorischen Museums (KHM) doch nicht übernehmen. Der designierte Generaldirektor hat dem Museumsverband einen Korb gegeben – und das nur ein Monat vor der geplanten Amtsübernahme. Der deutsche Kunsthistoriker wird laut KHM Leiter der Uffizien in Florenz bleiben.

Der "Wiener Zeitung" gegenüber bestätigte das KHM-Kuratorium Schmidts Absage, er habe seine Entscheidung in einem ersten Gespräch mit fachlichen Gründen erklärt. Hintergrund dürfte ein politisches Tauziehen in Italien sein. Im Zentrum soll die Leihgabe von Werken Leonardo da Vincis stehen, die ohne Zustimmung des Uffizien-Direktors nach Paris verliehen hätten werden sollen.

Eike Schmidt war im Herbst 2017 zum künftigen Leiter des KHM designiert worden. Der damalige Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) hatte sich für Schmidt entschieden und begründete dies damit, er wolle das Museum "offensiv weiter denken".

Eine Niederlage für die amtierende Direktorin Sabine Haag, die offenbar auf eine weitere Amtszeit gehofft hatte. Eigentlich hätte ihr Nachfolger das Museum bereits im Jänner 2019 übernehmen sollen, aufgrund seiner Verpflichtungen in Italien musste dies jedoch verschoben werden. Darum wurde Haags Vertrag um ein halbes Jahr verlängert, danach hätte sie an den Nachfolger übergeben sollen. Bei seiner Kür hatte Schmidt erklärt, er könne seinen Amtsantritt "kaum erwarten".

"Höchst unprofessionell"

"Die kurzfristige Absage ist höchst unprofessionell und eigentlich beispiellos", wird Kulturminister Alexander Schallenberg in der "Presse" zitiert. "Das Kapitel Eike Schmidt ist damit abgeschlossen. Jetzt geht es darum, rasch für klare Verhältnisse zu sorgen. Deswegen habe ich die ehestmögliche Ausschreibung der wissenschaftlichen Geschäftsführung veranlasst", erklärte Schallenberg. Der Minister hat die aktuelle Direktorin Sabine Haag gebeten, das KHM weiterhin interimistisch zu führen. Am Freitag soll es ein Treffen zwischen dem Minister und Schmidt geben, heißt es weiter. Letzterer hätte sein Amt am 1. November 2019 antreten sollen.

Tatsächlich galt Schmidt, 1968 in Freiburg im Breisgau geboren, als vielversprechende Wahl. Der deutsche Kulturmanager ging im Jahr 2001 als Kurator an die National Gallery of Art in Washington, D.C. und war von 2006 bis 2008 am Getty Museum in Los Angeles tätig, ein Jahr arbeitete er als Direktor für europäische Plastik im Auktionshaus Sotheby’s in London. 2015 wurde er zum Leiter der Uffizien in Florenz ernannt, einem ebenso bedeutenden wie stark frequentierten Museum. Schmidt feierte in dem italienischen Haus Erfolge, im Jahr 2018 konnte er erstmals mehr als vier Millionen Besucher begrüßen.

Von Schmidt selbst wird für Mittwoch eine Presseerklärung erwartet. KHM-Geschäftsführer Paul Frey begegnet der Situation mit "großer Gelassenheit"; man habe eine "detaillierte Planung bis weit in 2020/21 hinein". (jubel/irr/apa)