Wien. Das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) zählt dank seiner reichen, auf die kaiserlichen Sammlungen der Habsburger aufbauenden Bestände zu den bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Generaldirektor Wilfried Seipel führte das Haus 1999 in die Vollrechtsfähigkeit, seit 2009 leitet Sabine Haag den KHM-Museumsverband. Der designierte neue Leiter Eike Schmidt sagte nun ein Monat vor Amtsantritt ab.

Durch die 2001 erfolgte Angliederung des Völkerkundemuseums (heute: Weltmuseum Wien) in der Neuen Burg und des im Palais Lobkowitz untergebrachten Österreichischen Theatermuseums entstand ein großer Museumsverbund mit dem KHM im Zentrum. "Der KHM-Museumsverband umfasst elf Sammlungen für alle europäischen kunst- und kulturhistorischen Epochen vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sowie Ägyptens, des Vorderen Orients und des griechisch-römischen Altertums, acht alle Kontinente umfassende Sammlungen des Weltmuseums Wien und sechs Sammlungen des Theatermuseums Wien von der Barockzeit bis in die Gegenwart", hieß es in der jüngsten Ausschreibung.


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Kunsthistorisches Museum Wien (KHM)
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Die kaiserliche Sammlung unter einem Dach

Zentrales Haus ist natürlich das Kunsthistorische Museum: Das von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer errichtete Gebäude an der Ringstraße wurde am 17. Oktober 1891 eröffnet und vereint die meisten der kaiserlichen Sammlungen unter einem Dach. Die acht Sammlungen, die zum Teil auch in der Neuen Burg und im Schloss Schönbrunn untergebracht sind, umfassen Objekte aus dem alten Ägypten, der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit bis etwa 1800.

Die Gemäldegalerie des Hauses geht bis auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Erzherzog Leopold Wilhelm erwarb während seiner Statthalterschaft in den Niederlanden an die 1.400 Bilder, vorwiegend venezianische Malerei der Renaissance (Tizian, Veronese, Tintoretto), Hauptwerke flämischer Meister des 15. bis 17. Jahrhunderts (van Eyck, Rubens, van Dyck), der altniederländischen Malerei (Jan van Eyck, Rogier van der Weyden) und der altdeutschen Malerei (Albrecht Dürer, Lucas Cranach).

Die Ägyptische Sammlung

Die Ägyptische Sammlung entstand aus Ankäufen, Schenkungen und Grabungen im 19. und 20. Jahrhundert. Der Grundstock der orientalischen Sammlung ist dem 1908 gestorbenen Forschungsreisenden Eduard Glaser zu verdanken. Die aus habsburgischem Besitz hervorgegangene Antikensammlung gehört zu den bedeutendsten ihrer Art. Die Bestände reichen von der bronzezeitlichen Keramik Zyperns aus dem 3. Jahrtausend. v. Chr. bis zu slawischen Funden aus der Zeit um 1000 n. Chr. Aus den Ausgrabungen österreichischer Archäologen bei Ephesos (Türkei) kamen 1895-1906 zahlreiche wertvolle Funde nach Wien. Viele Stücke konnten erst 1978 im Ephesos-Museum der Neuen Burg präsentiert werden.

Die 2013 nach längerer Umbau- und Renovierungsphase wiedereröffnete Kunstkammer geht vor allem auf Kaiser Rudolf II. zurück. Hier ist heute auch jenes Objekt zu bewundern, das das KHM 2003 weltweit in die Schlagzeilen brachte: Der Diebstahl der "Saliera" von Benvenuto Cellini am 11. Mai 2003 war ebenso ein Paukenschlag wie ihr Wiederauftauchen drei Jahre später. 1921 wurde die Tapisseriensammlung mit ihren rund 800 Wandteppichen angegliedert. Das Münzkabinett umfasst mit seinen rund 700.000 Objekten aus drei Jahrtausenden nicht nur Münzen, sondern auch Papiergeld, Medaillen und Orden.

Weiters gibt es eine Sammlung alter Musikinstrumente, die Hofjagd- und Rüstkammer, die geistliche und die weltliche Schatzkammer mit den Insignien des Heiligen Römischen Reiches sowie die Wagenburg in Schönbrunn. Auf Schloss Ambras oberhalb von Innsbruck wird eine Außenstelle des KHM betrieben, wo u.a. die Sammlungen von Erzherzog Ferdinand II. und die Habsburger Porträtgalerie zu sehen sind.

2001 wurde auch das in der Neuen Burg befindliche ehemalige Völkerkundemuseum, das sich aus der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums entwickelte und 1925 eigenständig wurde, eingegliedert. Das zum Weltmuseum Wien umbenannte Museum wurde 2017 nach einer Generalsanierung wiedereröffnet. Auch das Österreichische Theatermuseum im Palais Lobkowitz kam in den Verband des Kunsthistorischen Museums. Die kaufmännische Leitung des KHM-Museumsverbands, der im Vorjahr mehr als 1,75 Mio. Besucher verzeichnete, hat seit 2007 Paul Frey inne.(apa)