Drama des eigenen Lebens

Viele der Protagonisten sprachen mit ihrer gegenreformatorischen Überredungskunst die Gläubigen direkt an, Caravaggio integrierte soziale Kritik und das Psychodrama der eigenen Vita, seiner Flucht wegen eines Mordes im Affekt entspricht in Gentileschis Bildern ihre heftige Reaktion auf eine Vergewaltigung.

Bernini bewegte sich elegant und ohne Allüren im Kreis seiner hohen Auftraggeber, in seiner Architektur Klassizist, folgte er in der Skulptur hellenistischen Statuen, die er auch restaurierte. Seine Illusionskunst zeigt im Terrakottamodell der "Heilige Theresa" aus der Eremitage die Umwandlung antiken "asianischen" Stils ins Barocke. Wie im "Sebastian" steht die Sinnlichkeit über allem. Mit einem fleischlich erscheinenden Marmor sprengt er die Grenzen der Skulptur. Das lobte sogar Winckelmann.

Für uns ist das Paradoxe barocker Stilmischungen interessant, etwa Caravaggios extreme Lichtregie für ein geistliches Theater als Parallele zur Oper Claudio Monteverdis. In die Gegenreformations-Propaganda ließ er Gefühl für menschliche Schwächen einwandern, zeigte naturalistische Details wie dreckige Fußsohlen der Armen, was sein soziales Engagement anklingen lässt.

Verstöße gegen Konventionen

Reni hat mit seinem "Kindermord von Betlehem" voller schöner Leidender mehr den kirchlichen Vorschriften des "Decorums" der Heiligen entsprochen. Maria als in Rom bekannte Kurtisane war wohl Caravaggios größte Chuzpe, doch auch in der monumentalen Wiener "Rosenkranzmadonna" war zweierlei ungehörig: Jesus als italienischer Ragazzo und die Frau aus dem Volk, die Maria direkt anblickt, alle anderen brauchen die Fürbitte des heiligen Dominikus.

Caravaggio ließ sich als abgeschlagenes Haupt Goliaths selbst bemitleiden, das Identifikationsporträt war sein gemaltes Gnadengesuch an den Papst nach vier Jahren Exil in Süditalien. Der Empfänger hat ihn erhört, doch ein unglückliches Ende im Fieber nahe Rom verhinderte seine Rückkehr. Swoboda lässt aber mit Poussins "Bacchanal", Pietro Berninis "Bacchus", François du Quesnoys Putti auf Adlern, die fast zum Flug abheben, und einer "Fröhlichen Gesellschaft" von Valentine da Boulogne einen fröhlichen Ausklang im Scherzo anklingen, auch wenn dort genauso die Affekte lauern, Delfine und Drachen beißen, Satyr-Masken fallen und es erste Karikaturen als witzige Katharsis gibt.