Nein, das ist kein Beitrag zu Klimaschutz, "Feindbild Auto" oder den großen Imageproblemen der Branche. Wolf Vostells Betonautos haben damit rein gar nichts zu tun. Was da heutzutage immer mehr ins Blickfeld scharfer Kritik gerät, war 1969 Erstrebenswertes, ja Fetisch. Kein Schimmer des Bösen haftete dem Automobil an.

Ganz im Gegenteil, je mehr davon, desto lieber! Und so sah es auch der 1998 in Berlin verstorbene Fluxist Vostell. Ein wesentliches Kriterium für seine betonierten Autos war ja, dass bevorzugt Modelle der Oberklasse Verwendung fanden, Cadillacs oder der aus heutiger Sicht fast schon legendäre Opel Kapitän P 2,6.

Mahnung, Allegorie, Symbol lagen Vostell fern. Vielmehr ging es um Provokation, Spott und Übermut, um jede Menge - bundesdeutsch gesprochen - Verarsche des Bürgertums. Man darf natürlich nie aus den Augen verlieren, dass sich die Vertreter des Fluxismus (wie bereits einige Jahrzehnte zuvor die Dadaisten) als Anti-Künstler betätigten, ihre Werke verstanden sie als Revolte gegen die Kunst, nicht als Kunst.

Wolf Vostell 1980 in Spanien. - © Archiv
Wolf Vostell 1980 in Spanien. - © Archiv

Der Kunstgeschichte war dies freilich herzlich egal, Dada und Fluxus firmieren heute als einflussreiche künstlerische Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Auch deklarierte Nicht-Kunst hat eben Kunst zu sein!

Vor genau fünfzig Jahren fand Vostell seine Nische, seinen unverwechselbaren Platz in der Kunst- beziehungsweise Nichtkunstgeschichte im Nexus Auto & Beton. Bei seinem ersten Objekt handelte es sich, wie bereits erwähnt, um einen Opel Kapitän, von dem schon Arno Schmidt einst schwärmte und einen Gönner anwies, langsamer zu fahren, damit man sehen könne, dass er, Schmidt, im "Kapitän" saß.

1969 goss Vostell zunächst eine Bodenplatte vor einer Kölner Kunstgalerie, parkte nach Aushärtung selbiger seinen Opel, amtliches Kennzeichen "K-HM 175", darauf, verschalte ihn und goss dann die Form mit Stahlbeton aus; das Autoradio blieb an. Das erste Betonauto war in der Welt, doch sollte es nicht lange an seinem Standort bleiben. Trotz seiner 15 Tonnen ging die klobige Skulptur bald auf Reisen. Sie parkte vor dem Pariser MAM, vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin und vor der Kölner Kunsthalle. Heute steht der eingemauerte "Kapitän" auf dem Hohenzollernring in Köln.