Bald schon variierte Vostell seine Idee vom Betonauto und verbarg die Fahrzeuge nicht mehr vollständig unter Beton, sondern beschritt einen Mittelweg. Zwei Autos - Cadillacs, versteht sich - wurden nur noch zum Teil mit Beton überzogen und zu einer Plastik gefügt (in Berlin-Grunewald zu sehen). Der Schachzug (oder Kunstgriff), dass er seine Werke eben nicht als Kunst bewertete, war schlichtweg genial, sonst kämen ja allein den Designern der Autos die Lorbeeren zu (und vielleicht auch ein bisschen den Helfern, die die ganze Arbeit hatten).

Cadillac-Plastik in Berlin-Grunewald. - © Archiv
Cadillac-Plastik in Berlin-Grunewald. - © Archiv
In Chicago steht ein weiterer einbetonierter Cadillac Vostells, und auch im spanischen Malpartida de Cáceres, wo es das Museo Vostell Malpartida gibt, ist ein betonerner Bolide zu besichtigen.

Der 1932 in Leverkusen geborene Wolf Schäfer, der als Zwanzigjähriger den Mädchennamen seiner Mutter annahm, gilt als Wegbereiter diverser Techniken, das Einbetonieren ist wohl sein unverwechselbarstes Markenzeichen. "Obelisc de la Television" (1979) nennt sich eine hohe schlanke Säule aus einbetonierten Fernsehern. Selbst zum Malen verwendete er zeitweise flüssigen Beton. Doch bloß Fluxus-Mitbegründer und Provokateur war Vostell, der sich gerne orthodox jüdisch kleidete und Pejes (Schläfenlocken) wachsen ließ, durchaus nicht. Er thematisierte wichtige gesellschaftliche Themen, weltpolitische Ereignisse - und immer wieder den Krieg.

Duplikate & Repliken

Zu Vostells 75. Geburtstag ließ der Kölner Künstler Cornel Wachter 2007 einen eingemauerten Mercedes der A-Klasse vor das Rheinische Landesmuseum in Bonn stellen. Doch das Duplizierte, wenn auch als Hommage in einen anderen Kontext Gestellte, hat keinen Biss, bleibt die fade Replik einer auf einen Gag reduzierten Anti-Kunst der Fluxisten.

Der "Käse" war eigentlich seit Dada, wenn nicht gar schon seit Duchamp gegessen, rappelte sich aber in der Fluxus-Bewegung noch einmal hoch. Etwas Leichtes, Spielerisches - trotz der Ausführung in Beton - hat hingegen der Abguss des schönen "Wiesmann MF3", der am Bahnhof in Flüelen im Schweizer Kanton Uri steht.

Aber dieses Betonfahrzeug will bloß Erinnerung an den ersten Roadster der Brüder Wiesmann aus dem Jahr 1993 sein, quasi ein Denkmal. Und zum Denkmal wurde nach fünfzig Jahren auch das Ur-Betonauto von Wolf Vostell; es lebt von seiner kraftvollen, nicht wiederholbaren Originalität. Wie lange das eingemauerte Radio wohl noch gespielt hat?