Anselm Neft knüpft an reale Missbrauchsfälle an, wie jene an der hessischen Odenwaldschule. - © Maren Kaschner
Anselm Neft knüpft an reale Missbrauchsfälle an, wie jene an der hessischen Odenwaldschule.
- © Maren Kaschner

Seine Mutter war gefühlt schon immer tot und sein Vater alt. Mit 13 Jahren wird Tilman Weber ins reformpädagogische Internat "Freie Schule Schwanhagen" an der Ostsee abgeschoben und versucht dort, eine neue Familie zu finden. Der deutsche Autor Anselm Neft erzählt in "Die bessere Geschichte" von Missbrauch wie dem in der hessischen Odenwaldschule, der ab 1998 öffentlich bekannt wurde.

In Nefts Roman verführen der charismatische Schulleiter Salvador Wiegand und seine Frau Schüler mit der Überzeugung, nach ihrem pädagogischen Konzept werde auf jeden speziell eingegangen, jeder sei etwas Besonderes und Kinder und Erwachsene seien gleichberechtigt. Dazu gehört auch, dass Tilman zu Valerie Wiegands Geliebtem wird.

In diesem Soziotop treten nach und nach die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zutage. Anders als seine damalige Mitschülerin Ella, in die Tilman verliebt war, weigert er sich jedoch auch noch 27 Jahre später, sich als Opfer zu fühlen.