1969 folgte Alfred Schmeller (1920 - 1990), der bereits die legendäre Avantgardegruppe Art Club in Wien ab 1950 geleitet hatte, als Journalist und Denkmalpfleger tätig war, auf Direktor Werner Hofmann, der das von ihm gegründete Museum des 20. Jahrhunderts für die Kunsthalle Hamburg verließ. In den zehn Jahren seiner Amtszeit gab es spektakuläre Ausstellungen, eine eigenständige Sammlungspolitik und durch Gründung eines Vermittlungsprogramms die Annäherung an das der Moderne lange negativ gegenüberstehende Wiener Publikum.

Dabei äußerte sich Schmeller humorig gegen die strenge Auffassung damaliger Kunsterziehung: "Der Prater ist geschlossen. Kommen Sie ins Museum!" Kuratorin Susanne Neuburger hat, um Schmellers unelitäre Haltung zu veranschaulichen, mit der er es verstand, Avantgardekunst allen verständlich zu machen, in einem Stockwerk die legendäre Installation "Riesenbillard" der Gruppe Haus-Rucker-Co für die Ausstellung "Live" 1970 nachbauen lassen - eine große begehbare Kunststoffinsel als Boxring für Kunsttraining, auf der drei gigantische Kugeln bewegt werden können. Fotografien von Cora Pongracz und Peter Baum hielten damals fest, wie die Besucher, auch der Direktor mit seiner Frau, der Malerin Martha Jungwirth, auf dem wackeligen Terrain dieser Archiskulptur-Hüpfburg, die auch die Auflösung der Steinskulptur veranschaulichte, körperlich erfassen, "begreifen" und erwandern konnten.

Schmeller hat neben seinem
Quotenhit "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" der ganz neuen Malerei der von Otto Breicha entdeckten Gruppe "Wirklichkeiten" auf die Sprünge geholfen, daher sind deren Werke als Schwerpunkt seiner Sammlungspolitik zu sehen - vom Psychomodulator und den Querschnittbildern Peter Pongratz’, der Pop und Art brut zu einer neuen Mischung vereinte und sich an den Gugginger Künstlern orientierte, über Erwin Ringel und Kurt Kocherscheidt, bis zum wunderbaren Doppelporträt Schmeller/Jungwirth von Wolfgang Herzig, mit Werken der amerikanischen wild-kitschigen "Chicago Imagists" konfrontiert. Aber auch von Hans Hollein erwarb Schmeller den 1972 auf der Biennale in Venedig gezeigten Totenwagen, ein Gefährt der Sonderklasse.

Er holte den legendären Ausstellungsmacher Harald Szeemann mit seinen "Junggesellenmaschinen" nach Wien, der wiederum exportierte Jungwirths monumentale Zeichnungen von Küchengeräten, die "Indesits", auf die Documenta nach Kassel.

Zum propagierten "Museum als Unruheherd" kam sein in die Zukunft gerichteter Slogan "vorgriffig einzukaufen". Schmeller vermittelte Adolf Loos an junge Leute und die Baukästen dazu sind die heutigen Zwischenwände der Ausstellung neben Architekturmodellen.

Filmer Wilhelm Gaube vermittelt uns als Chronist der Schmellerära seine "gesamtkulturelle Arbeit", die über weitere Meilensteine des unkonventionellen Kunsthistorikers, auch Konzerte und Design, staunen lässt.