Am Donnerstag wird im Leopold Museum zum vierten Mal der Dagmar Chobot Skulpturenpreis vergeben. Den deutlich wichtigeren Termin haben die Wiener Galeristin und ihr Mann, der Autor Manfred Chobot, vergangene Woche beim Notar absolviert. Unterzeichnet wurde der Vertrag einer umfangreichen Schenkung an die Albertina: 800 Werke im Schätzwert von rund drei Millionen Euro.

"Schon als wir nach unserer Heirat 1968 begonnen haben, gemeinsam Kunst zu sammeln, haben wir uns vorgenommen: Einmal werden wir der Albertina alles schenken", versichert das Paar beim Gespräch mit der APA in ihrer Wohnung nahe dem Yppenplatz in Wien-Ottakring. Hier hat alles begonnen. Die Wohnung war von Anfang an Künstlertreff und ab 1971 jeden Montagabend auch offiziell die "Galerie Yppen". Später wurde sie in "Galerie Chobot" umbenannt und der Galerienbetrieb 1983 in die Domgasse in die Wiener Innenstadt übersiedelt. In der Wohnung bedeckten Kunstwerke und Bücherregale bald jeden freien Quadratzentimeter Wand. Das ist auch heute noch so.

Im Lauf eines halben Jahrhunderts Sammler- und Galeristentätigkeit haben die Chobots eine große Kunstsammlung zusammengetragen. "Wir wollen, dass sie auch nach unserem Tod zusammenbleibt und weiter betreut wird", begründen sie ihren Entschluss. Dabei hätten die beiden, die unabhängig voneinander mit dem Goldenes Verdienstzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet wurden (1995 erhielt Dagmar Chobot die Auszeichnung für ihre Arbeit als Galeristin, heuer wurde ihr Mann Manfred als Autor geehrt), eigentlich noch keinen Grund, Vorsorge zu treffen: Das Paar ist 72 bzw. 73 Jahre alt, und von ungebrochener Lebens- und Abenteuerlust kündet u.a. das heuer im Löcker Verlag erschienene Buch "In 116 Tagen um die Welt", in dem Manfred Chobot die gemeinsame Weltumrundung per Kreuzfahrtschiff dokumentierte, die die beiden einander zur Goldenen Hochzeit geschenkt hatten.

Und doch haben sie die Dinge nun genau geregelt: 650 Werke hat die Albertina bereits jetzt übernommen, 150 weitere sind bereits ins Eigentum der Albertina übertragen worden, verbleiben aber - wie etwa ein großformatiges Gemälde von August Walla im Esszimmer - bis zum Ableben der Stifter noch in deren Verwahrung. "Wir wollen schon noch von Kunst umgeben sein und uns nicht Poster an die Wände hängen müssen", scherzt Manfred Chobot - wohl wissend, wie groß sein Understatement dabei ist. Rund noch einmal so viele Werke verbleiben im Besitz der Chobots. Eine weitere Schenkung, diesmal an das Wien Museum, ist bereits fixiert.