Wien. "Wir werden den Adler davonfliegen lassen. Er hatte seine Zeit", sagte Natasa Ilic bei der Podiumsdiskussion im Depot Wien. Seit Juni steht das Kollektiv aus Zagreb, bestehend aus Natasa Ilic, Ivet Curlin und Sabina Sabolovic an der Spitze der Wiener Kunsthalle. Aber nicht nur das Corporate Design wird sich ändern. Die wichtigsten Fragen für das Leitungskollektiv "What, How & for Whom" (WHW) lauten, so Ilic: "Wie machen wir die Kunsthalle Wien zu einer einladenden Institution? Wie können wir die Türen weit aufmachen? Wie bringen wir die Leute hinein?" Sabina Sabolovic ergänzt: "Natürlich will niemand leere Ausstellungen, aber Besucherzahlen sind nicht das einzige Kriterium. Wir wollen die Kunsthalle vor allem für möglichst viele verschiedene Communities öffnen."

Dazu hob das Trio den Mut der Stadt zu einer kollektiven Leitung hervor und betonte, sie fühlten sich in der Stadt und von ihrem Team willkommen geheißen und unterstützt. Die räumliche Situation, versteckt zwischen den beiden großen Kunstmuseen des Areals, sei schwierig. An gravierende architektonische Eingriffe sei trotz "einiger unorthodoxer Ideen zur Nutzung der Räume" vorerst aber nicht gedacht. Wahrscheinlich ist aber, dass der rechts vom Eingang gelegene, derzeit als Shop genutzte Raum als Project Space künftig für die Kunst genutzt wird. Arbeitstitel: "Exhibition machine". Auch für die Kunsthalle-Dependance am Karlsplatz überlegt man kleinere Adaptionen: "Der Ort ist zusehends als Restaurant mit einem kleinen Kunst-Annex wahrgenommen worden", sagte Ivet Curlin.

Einbindung der Wiener Szene

Die Vernetzung in der Stadt passiere mit Institutionen - mit dem Burgtheater soll die am 17. November mit einer Performance von Sylvia Palacios Whitman im Kasino startende Zusammenarbeit weitergeführt werden, auch mit der Viennale will man kooperieren - ebenso wie mit einzelnen Künstlern. "Wir möchten lokale Künstler möglichst in jedes unserer Vorhaben mit einbeziehen", so Sabolovic. Die Wiener Szene sei äußert lebendig.

Nach einer Serie von Lectures, Workshops und Performances will WHW erst am 8. März 2020 mit der ersten eigenen Ausstellung eine Visitkarte abgeben. Sie soll mit künstlerischen Mitteln auch eine politische Standortbestimmung zwischen einstigem Aufbruch und schwieriger Gegenwart, Wunsch und Realität geben. Der dem 2003 in Beirut erschienenen Buch "Globalization and the Manufacture of Transient Events" von Bilal Khbeiz entlehnte Titel reflektiert den Traum von einem guten Leben: "... von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden".(apa)