Heimrad Bäcker (1925 bis 2003) gehörte in den 1970er Jahren zu den österreichischen Künstlern, die sich intensiv mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigten. Mehr noch als Walter Pichler, Hans Hollein, Adolf Frohner, die Aktionisten oder Gottfried Helnwein ist seine intensive künstlerische Forschung von verschiedenen Medien geprägt, die sich besonders für die Erinnerungs- und Trauerarbeit eignen - so greift er hauptsächlich zu Fotografie und Sprache, aber auch auf die damals präsente "Spurensuche", die Installationen von Fundmaterial ins Museum bringt.

Mit Gegenwartskunst

Nach einer großen Präsentation 2002/03 in der Landesgalerie in Linz ging Bäckers fotografischer Nachlass durch seinen Stiefsohn Michael Merighi 2015 ans Mumok und ist nun in einem kleinen Querschnitt, aktualisiert durch Werke der Gegenwartskunst, auf einer Ebene des Hauses zu sehen. Um 1960 hat Bäcker begonnen, die Reste der Konzentrationslager Mauthausen und Gusen zu dokumentieren, waren sie doch auf Grundstücken, die man seiner Familie durch Enteignung in den Jahren des Nationalsozialismus weggenommen hatte. Damals waren die Orte verlassen, es kümmerte sich niemand von staatlicher Seite darum, über die Gräuel wurde noch immer meist geschwiegen.

Bäcker versuchte nicht nur, mit 14.000 Aufnahmen das kollektive Gedächtnis zu sichern, er sammelte auch die Fundstücke am Gelände wie ein Archäologe, vom Nagel über Holzbalken, Metallstücke und auch Beton. Dazu schrieb er 1986 seine "nachschrift" und bis 1997 an der "nachschrift 2" als "Erkenntnisarbeit zu Genese und Struktur des Holocaust" (Thomas Eder).

Nun durch neue Entdeckungen eines riesigen Untertunnelungssystems in Gusen wieder aktuell in internationalen Schlagzeilen, war Gusen damals völlig überwachsen, die Tunnel zum Teil verschüttet und auch die Todesstiege von Mauthausen war nur im Blickfeld einiger Künstler - neben Bäcker auch der Fotografinnen Margherita Spiluttini und Elfriede Mejchar. Bäcker versuchte durch sachlich angelegte Serien jede "Einfühlung" zu vermeiden, eigene Emotionen schienen ihm nicht angebracht und unter den sprachlichen Fundstücken der Gefangenen, an Gebäuden, auf Schildern und am Beton notiert, fand er den unerhörten Satz aus dem Ghetto von Lodz: "Es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben." Das Listenwerk, die Textfragmente mit Jargon der Täter und Opfer, gleichen ein wenig der konkreten Poesie, weshalb Bäckers Nachschriften auch von Friedrich Achleitner herausgegeben wurden.

In ein Raumkonzept von Eva Chytilek und Jakob Neulinger werden die oben genannten Fundstücke und die seriellen Fotografien Bäckers in Schwarzweiß ergänzt durch eine Soundarbeit Tatjana Lecomtes. Sie hat 2015 nach einem Interview mit dem Zeitzeugen Jean-Jacques Boijentin, der in Gusen unter Tag Zwangsarbeiter war, auch den enormen Lärm damaliger Maschinen mit eingebaut. Dazu kommt eine weitere Fotostrecke aus Mauthausen als Vergleich, die Rainer Iglar während einer Schulexkursion 1974 anfertigte und kürzlich aktualisiert hat.