Der moderne japanische Farbholzschnitt kombiniert alte Techniken auch mit westlichen Pop-Motiven, etwa, wenn Masumi Ishikawa David Bowie abbildet. - © Georg Mayer
Der moderne japanische Farbholzschnitt kombiniert alte Techniken auch mit westlichen Pop-Motiven, etwa, wenn Masumi Ishikawa David Bowie abbildet. - © Georg Mayer

Zum 150-Jahr-Jubiläum der österreichisch-japanischen Freundschaft haben Johannes Wieninger als Gastkurator und Mio Wakita-Elis, seine Nachfolgerin in der Asien-Sammlung des MAK, zwei Ausstellungen über die Drucktechnik des Ukiyo-e im Design-Labor und der Galerie konzipiert.

1860 war der japanische Farbholzschnitt in Paris entdeckt worden und enthusiastisch mit der Ästhetik gotischer Illustrationen oder griechischer Vasenmalerei verglichen worden. Vor allem die moderne Malerei des Westens wurde davon zutiefst geprägt, besonders Impressionismus und Jugendstil. Aber auch die Öffnung Japans für Einflüsse europäischer Malerei zeigt sich deutlich im ersten Abschnitt über das 19. Jahrhundert und seinen Meister: "Kuniyoshi +. Design und Entertainment im japanischen Farbholzschnitt".

Westliche Einflüsse

Schon Katsushika Hokusai (1760-1849) verwendete das neue Farbpigment Preußischblau in seinem berühmten Zyklus von Farbholzschnitten "36 Ansichten des Berges Fuji" nach 1830. Davor waren die Holzschnitte noch Schwarzweiß.

Sein Schüler Utagawa Hiroshige (1797-1858) zählt mit Utagawa Kuniyoshi (1797-1861) bereits zur letzten Generation von Holzschneidern, die jedoch viele neue synthetische Farben und Formen durch die westlichen Einflüsse in damals alltägliche Szenen in besonderer Weise einführten.

Acht Kapitel zeigen die Entwicklung "der Bilder aus der vergänglichen Welt" vom Ende der Edo-Zeit 1868 in die Meji-Zeit, der, bei aller technischer Erweiterung, auch die Verwestlichung vorgeworfen wurde. So kam es auch zur Zensur einiger Themen.

Die Holzschnitte dienten in der bürgerlichen Kultur ab 1800 als Kommunikations- und Unterhaltungsfaktoren. Sie waren ungeheuer beliebt und kreisten um bekannte Schauspieler des Kabuki-Theaters, um Schönheiten in Teesalons mit unglaublichen Frisuren und Kimonos, oft stellten sie auch Kurtisanen dar. Aus der holländischen Druckgrafik übernahmen die Meister sogar nackte Muskelmänner, dazu Experimente mit Zentralperspektive und die Entdeckung von Nacht- und Wetterstimmungen in der Landschaft.

Nicht nur in "24 Formen der kindlichen Pietät" um 1848 gibt es bleibend auch die traditionelle Mythenwelt mit ihren Tieren, Geistern und Traumbildern. Die Einzelblätter, Serien und Bücher, oft Leporellos, wurden von den Wiener Sammlern Heinrich Seibold und Richard Lieben zwischen 1892 und 1922 dem MAK geschenkt.

Ende des 19. Jahrhunderts löste die Fotografie den Farbholzschnitt ab. Nicht wenige Druckgrafiker verlegten sich auf das Kolorieren der frühen Aufnahmen. Auf die expressive Farben- und Formenwelt Kuniyoshis reagiert aber auch eine heutige Kunstszene, die Altes mit der Pop-Geschichte bekannter Rockstars, Schauspieler und Sportler geradezu ideal verknüpft.

Im zweiten Abschnitt der Schau, "Ukiyoenow. Tradition und Experiment", kommt zur aktuellen Fortsetzung traditioneller Holzschnittdrucktechnik mit neuen Inhalten auch die Verbreitung des Phänomens in eine weltweite Kunstsprache, die sich vor allem durch die Mangas, die astatische Variante der Comics, in digitalen Computerwelten verbreitet.

Rock, Pop und Holzdruck

Masumi Ishikawa ist einer der besten Drucker Japans, der die 200 Jahre alte Tradition weiterführt. Im Teamwork mit den Künstlerinnen Masumi Ishikawa und Megumi Oishi kam es zu einem neuen Ukiyo-e-Projekt, das 2015 die US Rockband Kiss, 2016 Iron Maiden und 2018 posthum auch David Bowie integrierte.

Kiss ist bekannt durch Auftritte mit Kleidung und Schminke, die sich anlehnt an das Kabuki-Theater. Die Inszenierung mit Schlangen und Drachen, Geistern und modischer Kleidung ist hier in zahlreichen Arbeitsschritten des Holzdrucks auf dem handgeschöpften, dünnen traditionellen Druckpapier zu finden. Aber auch in den grellbunten digitalen Prints des Australiers Andrew Archer werden alte Inhalte ins moderne Outfit verpackt. Der Künstler arbeitet für Superstars der Basketballliga in Amerika sowie die chinesische Sängerin Chris Lee. Am Spielfeld finden sich alte Tempeltore als Netzträger, geisterhafte Cyborgs und Roboterpferde, denn auch die Karikatur der frühen Holzschneider wird heute schwungvoll für Jugendliche aufbereitet.