Rom. 16 Jahre nach dem Skandal um den italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat, der unter einem Berg von 14 Milliarden Euro Schulden zusammenbrach, wird die Kunstsammlung des verurteilten Firmengründers Calisto Tanzi versteigert. Werke von Monet, Degas, Renoir, Ligabue und Van Gogh werden vom Florentiner Auktionshaus Pandolfini in Mailand angeboten.

Als wertvollstes Stück der Tanzi-Sammlung gilt das Monet-Bild "Falaise du Petit Ailly a Varengeville", das um die 1,2 Millionen Euro geschätzt wird. Das Museum Van Gogh in Amsterdam ist am Erwerb von zwei Gemälden des niederländischen Malers interessiert, die zusammen circa 750.000 Euro bewertet werden, berichtete die italienische Tageszeitung "La Stampa" am Dienstag. Zu erwerben sind auch Werke von Kandinsky, Toulouse Lautrec, Picasso und Miro.

90 Millionen Gesamtwert

"Wiedergefundene Schätze" hat Pandolfini die Versteigerung betitelt, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist. Zu den Attraktionen zählt ein abstraktes Aquarell von 1931 aus Kandinskys Hand, eine Chagall-Gouache und eine pointillistische Landschaft von Paul Signac. Der Gesamtwert der Sammlung wurde auf 90 Millionen Euro geschätzt.

Die Einnahmen durch die am Dienstagabend in Mailand geplante Versteigerung soll der Entschädigung der unzähligen Parmalat-Gläubigern dienen. Die weniger wertvollen Objekte von Tanzis Kunstsammlung waren bereits in Parma, Heimatstadt des Unternehmers, versteigert worden.

Einer der größten Betrugsskandale

Der Ex-Parmalat-Chef Tanzi, der wegen des betrügerischen Bankrotts seines börsennotierten Unternehmens 2014 letztinstanzlich zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war, hatte mit seinen Mitarbeitern über Jahre Bilanzen gefälscht. Als das Unternehmen 2003 in die Insolvenz ging, blieben 14 Milliarden Schulden und 32.000 geschädigte Investoren und Kleinanleger zurück. Der Fall gilt als einer der größten Betrugsskandale der europäischen Unternehmensgeschichte. 2011 wurde Parmalat vom französischen Milchkonzern Lactalis erworben. (apa)