Man muss schon zweimal hinschauen. Also mindestens zweimal. Diese Prinzessin Diana, die da so gut gelaunt ihren Mittelfinger in die Höhe reckt, kann das wirklich die echte gemacht haben? Die Queen, die mit aller Würde genervt ihren Tee trinkt, während ein kumpelhaft-distanzloser Donald Trump auf sie einredet - kann das so passiert sein?

Aber andererseits: Was ist heute schon noch echt? Muss man nicht bei jedem Foto, das man auf Sozialen Medien oder im Internet findet, davon ausgehen, dass irgendetwas nicht ganz stimmt? Da ist man bei Alison Jacksons Fotos wiederum besser dran. Denn bei denen, sagt sie, ist alles total authentisch. "Das ist Mary Jones und das ist John Smith, und die sind zwei tatsächlich existierende Personen, da wurde auch nichts mit Photoshop manipuliert", erklärt sie mit Blick auf Queen und Trump. Dass wir glauben, dass die beiden jemand anders sind, daran seien wir ganz allein schuld. Oder eigentlich die Medien: "Mit dieser schleimigen Täuschung arbeiten Medien, das liegt in der Natur der Fotografie: dass man verführt wird, etwas zu glauben. Wir haben eine komplett falsche Auffassung von Wahrheit. Wir wissen zwar, dass wir nicht sagen können, ob etwas echt ist. Aber es ist uns auch egal. Das wird dann gefährlich, wenn es nicht mehr nur um Celebritys geht. Fake ist das neue Echt."

Mit Mittelfinger, ohne Selfiestick: Alison Jackson vor ihrer frechen "Ihr-könnt-mich-mal-Diana". - © Peter Coeln
Mit Mittelfinger, ohne Selfiestick: Alison Jackson vor ihrer frechen "Ihr-könnt-mich-mal-Diana". - © Peter Coeln

Verführerisch sind auch Jacksons Fotos, die nun in einer Ausstellung im Westlicht zu sehen sind. Eine reichliche Auswahl an intimen Szenen aus dem britischen Königshaus ist da zum Beispiel zu finden - immer mit Doppelgängern inszeniert. Die Queen unterm Christbaum mit Harry und Meghan - inklusive Corgi mit Weihnachtsmannhaube. Oder auch William und Kate gemeinsam mit Baby George in der Wanne: "Bei diesem Foto - es erschien als Titelbild auf der ,Daily Mail‘ - hat mich Tony Blair gefragt, wie ich in das Bad von Will und Kate gekommen bin. Ich meine, mir war klar, dass Blair wahnsinnig ist. Aber wie blöd kann man sein?" Denn das Bad der Royals hat die Britin natürlich nie von innen gesehen. Die Fotos, die die königliche Familie zeigen, sind - abgesehen von jenem, auf dem die Queen am Klo sitzt - meistens von einem freundlichen Respekt getragen. Weniger nett geht Jackson mit Donald Trump um. "Weil Trump auch nicht nett ist. Er ist ein Grobian, sein Vater hat ihm schon als Kind eingeimpft, er muss ein Monster und ein König werden."

In einem Video in der Schau sieht man auch, dass der Trump-Doppelgänger kein besonders auffälliger Mensch ist: "Ja, es ist einfach ein fetter, kahler Typ. Ich hab sogar fünf von ihnen!", sagt Jackson stolz, die übrigens während des ganzen Gesprächs mit der "Wiener Zeitung" mit ihrem Handy am Selfiestick filmt. Um ihre eigene Berühmtheit auf den Sozialen Medien auszubauen. Die wiederum dazu führten, dass Jacksons Kunst zumindest in einem Fall tatsächlich von der Wirklichkeit eingeholt wird. Denn die Fotos, die sie von Realitystar Kim Kardashian und ihrem Rapper-Gatten Kanye West präsentiert, die könnten durchaus auch auf Kardashians realem Instagram-Account veröffentlicht werden. Der Unterschied zwischen Satire und Realität ist im Königreich der bizarren Selfieberühmtheiten nur mehr ein sehr schmaler Grat.

Falsch ist nicht falsch,
echt ist echt

Ganz sicher kann man sich aber auch bei Jacksons Bildern nie sein: Mindestens ein Prominenter ist sein eigener Doppelgänger: "Elton John wollte ein Foto von sich und der Fake-Queen. Sie sitzen gemeinsam am Klavier und spielen ,Dancing Queen‘". Manche Fotos sind wiederum fast zu überzeugend: "Immer wenn ich die Bilder von Marilyn Monroe ausstelle, melden sich Sammler, die sie zu horrenden Preisen kaufen wollen. Die sind sicher, dass es die echte Marilyn ist."

Die Suche nach Doppelgängern ist der schwierigste Part, Putin zum Beispiel lässt sich nur mit erheblichen Mühen auftreiben. "Und einmal bin ich einem Mann nachgelaufen, der wie ein fantastisches Star-Lookalike ausgesehen hat. Ich fragte ihn, ob er mir den George Clooney machen will - und dann war es der echte George Clooney. Der fand das gar nicht lustig. Sehr unangenehm."

Von der österreichischen Politik ließe sich Jackson auch inspirieren: "Ihr habt wunderbare Medienskandale! Ich suche einen Heinz-Christian-Strache-Doppelgänger! Kennen Sie jemanden, der ihm ähnlich sieht?"