Es sind Rückgriffe auf die 1960er und 70er Jahre zu spüren, auch ein Ufo dieser Jahre taucht für die Ouvertüre der Neuen Oper Freiburg durch das Studio Neo Neo wieder auf und beim österreichischen Siegersujet für Heinz Tomaten Ketchup, das neuerdings ohne Buchstaben E für Verdickungsmittel mit nur Essig, Tomate, Zucker und Salz auskommt, ist auch das bereits seit den 1930 Jahren bekannte Label der Star. Es wird durch fehlende Buchstaben aktualisiert von VLMY & R Vienna, der minimale Eingriff erinnert jedoch an Andy Warhols Kunstgriffe in Sachen Siebdruck.

Besonders ist aber auch das Produkt-Siegerplakat für den mit dem Max-Ophüls-Preis prämierten Film "Nevrland", das Lukas Fliszar und Jonas Minning vom Atelier 101, kongenial mit dem Plot verbinden: In nur zwei Farben, Schwarz und Rot, dazu als eine Art Negativ, wird die Zerrissenheit der Hauptfigur als Kopf zwischen Schrift wie in Neon leuchtend vermittelt.

Lesen versus Surfen

Zum fünften Mal prämiert mit dabei ist das Studio Es (Verena Panholzer und Paul Katterl) mit einer Dreifachidee für rötliches Steinsalz aus dem Salzkammergut - dabei wird die kristalline Struktur samt verwürfelten Buchstaben vergrößert in Rot, Schwarz und Weiß. Ein Plakat ist für das feine, das zweite das grobkörnige Salz und ein drittes für eine mittlere Stufe, und zeigt ebenso große Flexibilität wie der letzte österreichische Beitrag für 20 Jahre Radio Orange von David Einwaller und Lukas Novak, der wenngleich er nur ein Folder war, eine Zahl zur Sprungfeder inszeniert.

Der Katalog zu dieser alljährlichen Kür aus dem Dortmunder Kettler Verlag behandelt nicht nur nebenbei auch die feministische Seite von Plakatdesign durch einen Essay von Tulga Beyerle, die Seiten sind wie Plakatdruck gelegt und müssen erst aufgeschnitten werden, um das Handwerk noch eindrücklicher verständlich zu machen und dieses Lesen über das Surfen zu erheben.