Das Rückzugsgebiet der Holzskulpturen von Bruno Walpoth scheinen sie selbst zu sein. Introvertierte Figuren, deren Blick (gesenkt, gedankenverloren) sich in die Augen zurückgezogen hat. Der Südtiroler aus dem Grödnertal hat Nuss und Linde eben nicht nur eine lebendige menschliche Oberfläche geschnitzt, sondern auch ein Innenleben, eine Psyche. Der Pierre steckt bis zu den Ellbogen melancholisch im Sockel, die Loredana kauert auf dem Boden, im gekrümmten Rücken bricht das Holz auf (autsch!) und zeugt von ihrer Verletzlichkeit und der des Materials. Ein intensiver Realismus, sinnlich betont von der malerischen weißen Schminke, die die jugendlichen Figuren zugleich in deren eigene Welt entrückt.

Und die kontemplativen Bilder von Eberhard Ross? Haben ein mysteriöses inneres Leuchten (und oft sogar eine "Aura", für die es freilich eine physikalische Erklärung gibt: Farbreflexionen auf der Wand). Eigentlich lauter Schallplatten. Halt eckig statt rund. Tonträger für dieses beruhigende Geräusch: Stille. Gut, während der Maler stundenlang seine durchgehende Kritzellinie in die Farbe ritzt und Töne aus tieferen Malschichten mitklingen lässt (buntes Rauschen), hört er sich schon was mit Ton an: "Jazz, viel Klassik, den guten alten Bach. Mozart nicht. Ich brauch eine stille Musik - oder eine mathematische." Und verläuft die verschnörkelte Rille von innen nach außen? "Ich bin Europäer. Von links oben nach rechts unten."

Alles hier strahlt eine immense Ruhe aus. Nicht, dass man gähnen müsste. Dafür sind die Sachen der beiden doch zu aufregend.

Galerie Straihammer

und Seidenschwann

(Grünangergasse 8/3)

"Refugium", bis 30. November

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr