Ein fortgeschrittenes Alter muss kein Nachteil mehr sein. Waren die vergangenen Jahre im internationalen Kunstmarkt dadurch geprägt, junge Künstlerinnen und Künstler - meist in ihren 20er Jahren - unreflektiert zu Shooting-Stars zu erklären, um bei Auktionen und Galerienverkäufen abstruse Höchstpreise zu erzielen, zeichnet sich derzeit ein Gegentrend ab: nämlich "Golden Agers" der zeitgenössischen Kunst zu entdecken und zu fördern.

Maria Lassnig, die heuer 100 Jahre alt geworden wäre, und Franz West sind hierzulande die besten Beispiele dafür, dass sich großer internationaler Erfolg in einem Alter einstellen kann, wo Normalbürger bereits ihre wohlverdiente Pension genießen. Rudolf Polanszky (Jahrgang 1951) ist mit spektakulären Ankäufen renommierter amerikanischer Sammler (etwa Rubell Collection) und bemerkenswerten Ausstellungen der nächste Bluechip der Künstlerseniorengeneration.

Ein österreichischer Haudegen darf nicht vergessen werden: Arnulf Rainer. Der Künstler, der am 8. Dezember seinen 90. Geburtstag feiert, wurde ins Programm der einzigen heimischen Weltliga-Galerie von Thaddäus Ropac aufgenommen, um seine internationale Platzierung zu stärken. Eine umfangreiche Ausstellung in der Pariser Dependance inklusive. Dass eine strukturierte, hoch professionelle Galerienrepräsentation dem Künstler nur gut tun kann, zeigt sich einmal mehr auf der diesjährigen Art & Antique in der Hofburg: Arbeiten Rainers finden sich auf zahlreichen Ständen und werden oft lieblos zwischen antiken Uhren und Biedermeierschränken präsentiert. Es zählt allein der bekannte Name und nicht die Auseinandersetzung mit seinem Werk. Ganz anders bei der Galerie Ruberl. Seit vielen Jahren widmet sich Galeristin Christa Armann dem Werk des Jubilars. Die intensive Beschäftigung ist beim Arrangement des Standes deutlich zu erkennen: Feine Radierungen (3800 Euro) über expressive Übermalungen (ab 16.000 Euro) bis hin zu pastos-farbigen Fingermalereien (165.000 Euro) ergeben eine bemerkenswerte Präsentation, die dem Werk Rainers in seiner Ernsthaftigkeit voll und ganz gerecht wird.

Vorkämpferin der Emanzipation

Mädchenkopf von Vally Wieselthier. - © Galerie bei der Albertina
Mädchenkopf von Vally Wieselthier. - © Galerie bei der Albertina

Ein paar Stände weiter widmet die Galerie Kopriva aus Krems einer bedeutenden Künstlerin der österreichischen Nachkriegskunst eine Einzelpräsentation. Die Malerin Christa Hauer (1925-2013) war neben ihrer künstlerischen Arbeit eine engagierte Vorkämpferin der Emanzipation von Künstlerinnen und bot jungen Talenten mit ihrer Galerie im Griechenbeisl eine erste Plattform für Ausstellungen.

Außerdem aufgefallen: Giese & Schweiger rückt Arbeiten Olga Wisinger-Florians als dezenten Hinweis in den Fokus, da mit Herbst 2020 ihr umfangreiches Werkverzeichnis veröffentlicht werden wird (Preisspektrum von 14.900 bis 250.000 Euro - mit Garantie im Verzeichnis aufzuscheinen). Bei Kovacek findet man einen einzigartigen, unverkitschten Arik Brauer ("Hiroshima") aus dem Jahr 1958. Die Galerie bei der Albertina hat fulminante Mädchenköpfe von Vally Wieselthier (von 20.000 bis 48.000 Euro) im Programm. Ein etwas anderes Frauenporträt zeigt Bacher Ancient Art: Das Mumienporträt einer Frau auf Leinen verblüfft aufgrund der Detailgenauigkeit und extrem gut erhaltenen Farbigkeit (48.000 Euro).

Wie eingangs angesprochen: In der Kunst ist Durchhaltevermögen (fast) alles.