Ein Auge wie HAL. Nur halt blau. George Henry Longlys "The Liberator". - © kunst-dokumentation.com/Manuel Carreon Lopez
Ein Auge wie HAL. Nur halt blau. George Henry Longlys "The Liberator". - © kunst-dokumentation.com/Manuel Carreon Lopez

Das Smiley am rechten Fleck haben

(cai) "Hat der das gemacht?", frag’ ich den Niki Passath also unlängst im GPLcontemporary. Nicht, dass man irgendwelche Zweifel haben könnte. Sein Roboter hält die Tatwaffen (Waff-en, Plural - zwei Stifte) schließlich immer noch fest. Ja, er hat die Bilder da gemacht. Und der menschliche Künstler war sein Komplize. Oder umgekehrt?

Passath ist zwar kein Dr. Frankenstein (andererseits schauen seine Geschöpfe aus wie Frankensteins Spielzeugautos), aber ein Bastler ist er ebenfalls, der so etwas wie Leben erschafft. Noch kein sehr intelligentes vielleicht, doch dafür ein kreatives. Und dieses hier (ein Motor, Sensoren, Räder, Plastilinknödel und Handlungsanweisungen) interpretiert eben actionreich simple Kreidelinien seines Erbauers. Macht aus wenig viel. Und am Ende kommt sogar was raus, für das sich keiner genieren muss. Mit seiner selbstgebastelten Evolution ist Passath jedenfalls dem Geheimnis der Kreativität auf der Spur. Und noch besteht ja keine Gefahr einer Rebellion der Malmaschinen. (Solange er keinen SUV-großen Paintinator baut, der dann versucht, alle Maler zu überfahren.)

"Über Menschen und Maschinen" lautet das Thema. Auch für Tatjana Hardikov, die zeichnend und collagierend, also analog, über die digitalisierte Welt nachdenkt. Das Innere des vernetzten Menschen: Schaltkreise, ein Emoji als Herz, und Anatomisches scheint die Facebooker und Twitterer an ihre Sinnesorgane erinnern zu wollen. In einer Bildsprache, als würde da eine den Erwachsenen die existenziellen Fragen (woher, wohin und mit wem?) kindgerecht, nein, nicht beantworten, sondern erst einmal stellen. Am 21. November wird übrigens sie dem Robocasso quasi den gezeichneten Knochen vorwerfen (um 19 Uhr). Wie der wohl ein Smiley interpretieren würde? ;-)

Kommen sieben Poller in eine Bar . . .

(cai) Vom All aus betrachtet, ist die Erde ja ziemlich blau. Wegen des vielen Wassers. (He, durch den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels wird der "Blaue Planet" bald noch blauer werden!) Und der Himmel ist ebenfalls blau, wenn wir zu ihm raufschauen. Tagsüber. Bei schönem Wetter.

Zwar ist jetzt die Ausstellung von George Henry Longly in der Galerie Lisa Kandlhofer nach dem Meeresgrund benannt (oder eigentlich nach der Gesamtheit der Organismen in der Bodenzone eines Gewässers: "Benthos") und gleich zu Beginn hantieren Roboterarme in der Tiefsee, das andere Extrem, der Himmel (oder der Weltraum samt Raumstation), kommt aber mindestens genauso prominent vor. Ein paar Wände sind auch blau. Ozeanblau oder himmelblau? Bluescreen-Blau! Die Farbe des Bildschirms, immer wenn der Live-Stream von der ISS unterbrochen ist. Dafür fühlt man sich hier selber beobachtet. Von einem "Augapfel" im Webcam-Look. Wenigstens ist er blau- und nicht rotäugig wie dieser neurotische HAL. Longlys Kunst dringt vielleicht nicht in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, doch sie ist definitiv ein expandierendes Universum (ein aufregendes). Dehnt sich in alle Richtungen (und Medien) aus. Der Brite arbeitet mit Designern zusammen (beim spacigen Overall mit James Long, bei den zeitgeistigen Schaukel-Liegen, den "Daybeds" für die Smart-Generation, mit den Leuten von Cookies), mit Musikern . . .

Und nicht zuletzt kollaboriert er ständig mit sich selbst, arrangiert und denkt er frühere Ausstellungen und Arbeiten neu und weiter. Seine geknickten Poller aus Paris verwachsen in Wien mit Waschmaschine, Schreibtisch und Bar zu bizarren Gebilden. Irgendwie witzig. (Kommen sieben Poller in eine Bar . . .) Humor macht sowieso vieles leichter. Sogar Stein. Einem grünen Serpentin pflanzt der Künstler ungeniert Flaschln mit Haarwuchsmittel ein. Ob dem glatzerten Stein irgendwann Haare sprießen werden? Selbst antike Trümmer befreit er von der Last der Schwerkraft. Dionysos schwebt nun als Strichmännchen (mit "Fleischrestln" aus Polyurethan) vor einem schwerelosen Blau. Eine tiefgründige Welt voller Mysterien. Und man braucht nicht einmal ein U-Boot, um in sie einzutauchen.