Die Acrylbilder der österreichischen Künstlerin Ceija Stojka zeigen dunkelgrüne Wiesen und Tannen, Pferde, Vögel und die Wohnwagen aus Holz, in denen sie als Kind mit ihrer Familie durchs Land gezogen ist. "Ein einfaches Zigeunerleben," steht als Titel neben einem Gemälde. Die Natur um den Neusiedler See ist wild und die Blüten sind so bunt wie die Kleider und Kopftücher. Dann, plötzlich, ist die Hakenkreuzflagge am Bildrand. Und die ungezügelte Lebensfreude hört auf.

Die 2013 verstorbene Ceija Stojka war Österreicherin und Roma. Ab 1943 haben die Nationalsozialisten den "Zigeuner-Holocaust" umgesetzt und von den 11.000 österreichischen Sinti und Roma zwei Drittel ermordet. Die damals elfjährige Stojka hat die Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen überlebt und ihre Erfahrungen seit 1990 in Gemälden verarbeitet. Bis März 2020 sind nun 170 davon im Reina-Sofia-Museum für zeitgenössische Kunst in Madrid zu sehen. Mit fast vier Millionen Besuchern im Jahr 2018 ist es das am meisten besuchte Museum Spaniens sowie eines der am häufigsten besuchten Kunstmuseen der Welt.

Bilder aus dem Grauen

Auch in Frankreich und in den Niederlanden hat die Ausstellung schon tausende von Besuchern angelockt. Angefangen hat alles damit, dass die österreichische Dokumentarfilmerin Karin Berger ihre Biografie über Ceija Stojka dem interessierten französischen Kurator Xavier Marchand gab. Das Buch wurde ins Französische übersetzt und gemeinsam errichteten sie der wichtigen Zeitzeugin das verdiente Podium.

Weder die Perspektiven noch die Dimensionen in Stojkas Bildern stimmen, aber die Aussage hinter jedem einzelnen trifft genau. Mit einer Mischung aus Roma-Volkskunst und Expressionismus schaffte die Künstlerin einen Einblick in ihre Geschichte und die Geschichte des Nationalsozialismus, der an Schlagkraft kaum zu überbieten ist. Im Reina Sofia folgt auf die ersten Kunstwerke, die noch voller Farben sind, nacktes Schwarz-Weiß.

Mit Tinte zeichnete die Künstlerin die Deportationszüge und die Lager, den Stacheldraht und die nackten Frauen. Sätze wie "Wir standen, und wir standen, und wir standen, steif und stumm. Das Gebrüll kam von der SS-Mannschaft", verleihen den Bildern eine zusätzliche Dimension. Über sechs Säle dehnt sich die Erinnerung der Frau, an die Inhaftierung im Gefängnis Rossauer Lände, die konstante Beobachtung in den Konzentrationslagern und die Misshandlung und Ermordung der Menschen um sie herum.

Karin Berger, die vom österreichischen Kulturforum nach Madrid eingeladen wurde, um ihr nun auch auf Spanisch übersetztes Buch "¿Sueño que vivo?" zu Deutsch "Träume, dass ich lebe?" vorzustellen, hat auch mit Stojka gedreht. Im letzten Saal der Ausstellung läuft ein 25-minütiger Ausschnitt davon.

Auch beim Sprechen schafft Ceija Stojka Bilder. Man spürt die Kälte der Nacht und sieht die Nägel, die aus den Wänden der KZ-Baracken ragen. Weil sie kein Dach haben, empfiehlt die Mutter, draußen zu schlafen, in den Leichenbergen. Stojka beschreibt den kleinen und den großen Menschenhaufen mit einer natürlichen Sachlichkeit. Die Toten boten ihr Schutz, sie waren leblose Freunde in einem trostlosen Leben. Strojka hat ihnen Namen gegeben und die Wolle ihrer Pullover gegessen, die die Mutter von toten Leibern abgewickelt hat.

Gebannt starrt das junge Pärchen, das auf dem Teppichboden vor der Leinwand Platz genommen hat, auf Stojka, die in Wiener Dialekt redet, spanisch untertitelt. Es ist eine Geschichte, die nicht zu Spanien gehört, sondern zu Österreich. Deshalb wollen die Kuratoren die Ausstellung nun auch endlich dorthin bringen. Man sei bereits mit Museen im Gespräch.