Die Kunsthalle zeigt erstmals Arbeiten ihrer Preisträger 2019 nicht am Karlsplatz, sondern in der unteren Halle im Museumsquartier. Den Preis für Absolventen der Hochschule für angewandte Kunst gibt es seit zwölf, verbunden mit einem für die Akademie der bildenden Künste, seit fünf Jahren. Heuer fiel die Auswahl der Jurys auf Nina Vobruba aus dem Fachbereich performative Kunst Carola Dertnigs und auf Malte Zander, der bei Henning Bohl Malerei und mediale Kunst studierte. Beider Spurensuche hat ein Auge auf die Gegenwart und die Kunst nach 1968, auf Land-Art Utopien eines Robert Smithson, Donald Judd oder Richard Long. Zudem macht Zander in seiner bewusst angelegten Mischung aus analogem und digitalem Film, was mit dem Begriff "Expanded Cinema" über Österreich hinaus bekanntes Kunstkino ist.

Neuer Lebensraum

Neben einem Preisgeld (3000 Euro) bekommen beide zur Ausstellung in der Kunsthalle auch jeweils einen ersten Katalog, um den Einstieg in die Kunstszene optimal zu schaffen. Nina Vobruba wird diesen Weg in einem soziokulturellen Projekt fortsetzen, das sie hier künstlerisch thematisiert: der "Zukunftswirkstatt Fehring" in der Steiermark. Sie nennt den seit 2017 alternativ in ökonomischer Hinsicht geplanten und angelegten selbstverwalteten Lebensraum für siebzig Menschen zwischen eins und siebenundsiebzig "nest bau" und kombiniert Fundmaterialien des Areals, auf dem eine Kaserne stand, mit Bäumen, Pflanzen, Büchern, eigenen Texten und Fotografien.

Malte Zander lässt Realität und Fiktion verschwimmen. - © Malte Zander/Jorit Aust
Malte Zander lässt Realität und Fiktion verschwimmen. - © Malte Zander/Jorit Aust

Zentral stehen in "Pionierpflanzen" in einer kreisförmigen Anlage von aufgerissenen Asphaltstücken des ehemaligen Exerzierplatzes sieben Birken und eine Baumhasel, die samt Wurzelballen nach wenigen Tagen aus der Ausstellung Richtung Fehring gebracht werden. Der neuen Umwelt stehen Stühle, Betten, Tische, Neonröhren als Relikte aus der Kaserne gegenüber, die Strukturgläser der ehemaligen Zimmertüren der Rekruten hat Vobruba mit Fotografien bedruckt, die bereits auf die neuen Bewohner und ihre Kinder, Hühner und Möbel, aber auch die Aktivitäten der Bagger hinweisen.

Malte Zander zeigt eine Filminstallation neben collagierten Fotografien, auf denen Filmrequisiten wie eine Ritterrüstung, gestützt von Ästen, auftauchen; "Languor" ist die Überarbeitung seines Diploms "Topor", allerdings in Form eines Vorgriffs, bei der ein Ort eines scheinbar fluchtartig verlassenen Filmsets sich überschneidet mit der Suche nach einem versteckten Underground Cinema in einer Höhle, die auf einen der letzten Texte Robert Smithsons als Anregung zurückgreift.

Eine durch dessen frühen Tod nicht mehr ausgeführte Idee thematisiert zudem ein Projekt zwischen Realität und Fiktion und die Bereitschaft des Betrachters, sich in fiktionalen Welten zu verlieren. So dominiert das Geheimnisvolle einzelner Sequenzen und Elemente im abgedunkelten Kinoraum. Ungeklärt auch die Mischung von Zelluloid, alten Filmkameras und digitalem, Computergeneriertem Bildmaterial: Ein von einem Hubschrauber überflogener Ort, dazu ein Buch mit dem Auszug einer Geschichte der Suche Jugendlicher nach einem Untergrundkino mit Leinwand in einer Höhle, angereichert durch einen Geigenspieler.

Hier spielt die Akustik naturgemäß eine noch größere Rolle als der Sound der Arbeitsgeräte in Vobrubas wachsendem Wohnort des Kollektivs Cambium, das mit Global Ecovillage Network verbunden ist und in der Kunstproduktion auch von Elisabeth von Samsonow unterstützend beraten wird.