Das Türschild ist eines der ersten Dinge, die man mit dem Bezug einer neuen Bleibe austauscht. Als ein - nicht zuletzt symbolisches - nach außen sichtbares Zeichen des Neubeginns im Inneren. Auch das Zoom hat seit Montag ein neues Klingenschild. Eigentlich sind es gleich zwölf: Ahmed ist da zu lesen, Stefan oder Lina. Wer hier anläutet, wird willkommen geheißen - in den jeweiligen Muttersprachen von Wiener Volksschülern.

Den Neubeginn, den diese Installation am Haupteingang des Kindermuseums markiert, ist der Start von Andrea Zsutty als Direktorin. Die Kunsthistorikerin und Kulturvermittlerin leitet das Haus seit 1. Dezember und will mit der inszenierten Mehrsprachigkeit auch ein inhaltliches Zeichen setzen: "Wir wollen das Haus noch mehr öffnen, für möglichst viele Kinder und Familien da sein", erzählt sie im Interview mit der "Wiener Zeitung". Den deutschsprachigen Willkommensgruß spricht ein blindes Mädchen, auch das ein Signal für Offenheit und Durchlässigkeit.

Andrea Zsutty ist Kunsthistorikerin und widmet sich seit 1996 der Kunstvermittlung, zuletzt im Kunstforum. Zudem hat sie einen Lehrgang für Kulturvermittlung aufgebaut und geleitet. Seit 1. Dezember ist sie Direktorin des Zoom Kindermuseums. Zoom
Andrea Zsutty ist Kunsthistorikerin und widmet sich seit 1996 der Kunstvermittlung, zuletzt im Kunstforum. Zudem hat sie einen Lehrgang für Kulturvermittlung aufgebaut und geleitet. Seit 1. Dezember ist sie Direktorin des Zoom Kindermuseums. Zoom

Diese Öffnung soll das Zoom "noch mehr zu einem sozialen Ort werden zu lassen." Neben dem Anspruch, die bestehende Qualität des Hauses "zu ehren und zu wahren", will Zsutty "in die Fläche" gehen, in die Stadt ausstrahlen - vorerst mit mobilen Projekten. "Da wurde bereits viel Expertise im Haus gesammelt", nun ist Zsutty auf der Suche nach Partner, die bereits dezentrale Arbeit machen.

Kinder sollen nicht den Job der Erwachsenen machen

Derzeit laufen Sondierungsgespräche mit Vereinen und Initiativen: "Ich denke und arbeite unheimlich gerne interdisziplinär und vernetzt. Wir müssen das Rad ja nicht alle neu erfinden." Wir es für solche Projekte mehr Geld geben? Die Gespräche mit der Stadt Wien laufen, im Zentrum stehe jedoch der Gedanke, bestehende Strukturen zu ergänzen.

Der Weg in die Direktion des Zoom war für Andrea Zsutty ein "ganz klarer", die Leitung eines Kindermuseums ein seit gut zehn Jahren verfolgter Traum. Begonnen hat sie diesen Weg als Kunstvermittlerin - auch für Kinder. Was junges Publikum als Besucher unterscheidet? Zsutty: "Die Unmittelbarkeit. Kinder zeigen sehr schnell Interesse und Desinteresse. Sie sind nicht höflich, sie sind direkt. Man muss genauer überlegen, was man ihnen anbietet. Und sie geben Themen stärker vor, melden klar zurück. Das macht das Zoom zu einem lernenden Organismus. Vor allem für uns von der Organisationsseite. Erst durch das Benutzen der Kinder sehen wir, ob eine Ausstellung, eine Installation überhaupt funktioniert."

Die Zoom-Ausstellungen will Andrea Zsutty daher künftig noch mehr "mit den Kindern denken" und dazu eine Testphase einbauen, "in der die Kinder prüfen, was die Erwachsenen sich überlegt haben". Als Co-Kuratoren will Zsutty die jungen Besucher dabei jedoch nicht sehen: "Kinder werden so oft in die Situation gebracht, für Erwachsene Lösungen zu erarbeiten. Kinder sollen ungefiltert sagen dürfen, was ihnen passt - und was nicht. Die Lösungen müssen wir Erwachsenen schon selbst finden. Kinder müssen heute fast immer lösungsorientiert denken, es muss alles immer ein Ergebnis haben." Das Zoom soll kein solcher Ort sein. Hier soll das Erlebnis zählen und nicht das Ergebnis: "Kinder müssen nicht den Job der Erwachsenen machen."

Als Kunstvermittlerin kommt die neue Direktorin aus der Praxis der Museumsarbeit. Wird ihr die Kunst fehlen im Zoom, wo doch vor allem lebensweltliche Themen aufbereitet werden, wenn auch mit künstlerischen Mitteln? Zsutty: "Überhaupt nicht. Es ist fast schon eine Befreiung, da wir keine Übersetzungsarbeit leisten müssen, also für den Betrachter eine Brücke zum Kunstwerk schlagen, um Kunst begreifbar zu machen. Es ist vielmehr ein aktives Hinwenden, da ich noch stärker mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern arbeiten möchte."

Ins Zoom kommen vor allem Schulklassen. Als Bildungseinrichtung sieht Andrea Zsutty das Haus jedoch nicht: "Museen sind keine erweiterten Klassenzimmer, es sind bewusst andere Orte. Lernen und Bildung darf unterschwellig passieren. Doch wir sollten uns nicht zu sehr in schulische Ablaufe verbiegen. Wir lehren nicht. Natürlich nehmen Kinder etwas mit, es passiert etwas mit ihnen, sie machen eine Erfahrung."

Viele Museen haben heute Führungen und etwa Ateliers für Kinder. Braucht es da das Zoom noch? "Das wird es immer brauchen! Museen haben nachgerüstet, haben als Institutionen für Erwachsene nachträglich Programme für Kinder geöffnet. Bei uns sind die Kinder immer im Zentrum. Wir können immer von den Kindern aus denken, wir müssen nichts Erwachsenes nachträglich für Kinder reparieren."