Miami Beach. Vielleicht auf Stelzen? Ein Jahr nach der Wiedereröffnung des Convention Centers in Miami Beach stehen plötzlich Fragen im Raum, die offensichtlich bei der Planung des massiven Umbaus durch das Architekturbüro Herzog & de Meuron keine tragende Rolle gespielt haben. Bei der Realisierung des Generationenprojekts, das auf Wunsch/Druck der Messe Schweiz (aka Art Basel) für knapp 600 Millionen US-Dollar durchgeführt wurde, ist auf den einschneidenden Aspekt vergessen worden: Mit dem Klimawandel kommt das Meer.

Wissenschaftlichen Prognosen zufolge wird Miami Beach spätestens 2045 zu großen Teilen unter Wasser stehen - inklusive Messezentrum. Wenn es nun auf Stelzen gebaut wäre, so ein ironischer Ansatz, würden die Organisatoren zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Art Basel bleibt im Trockenen und die Sammler könnten mit Jachten direkt an der Messe - einer Marina ähnlich - anlegen. Die abstrus anmutende Idee fußt auf realen Wurzeln.

Die Art Basel hat es sich zu einer ihrer dringlichsten Aufgaben gemacht, die Messen an ihren drei Standorten in naher Zukunft klimaneutral zu gestalten. Wie das geschehen kann, wird eifrig diskutiert. Kaum jemand hat jedoch das Zeitbudget, wie Greta Thunberg über den Atlantik zu segeln.

Neben den Auswirkungen des Klimawandels auf den Kunstmarkt festigte sich ein künstlerischer Trend bei der 18. Ausgabe der Art Basel in Miami, der heuer bereits bei der Biennale in Venedig, bei der Expo Chicago, bei Auktionen, Museums- und Galerienausstellungen zu beobachten war: das steigende Interesse für und die Nachfrage nach zeitgenössische(r) Kunst aus Afrika. Wobei zwei Anmerkungen zu machen sind. In den Vereinigten Staaten werden auch naturalisierte African-American-Artists hinzugezählt und nicht nur jene, die aus den "shithole countries", wie der regierende Präsident afrikanische Länder zu bezeichnen pflegt, kommen. Außerdem sind vom Kunstmarkt propagierte Trends immer mit Vorsicht zu genießen. Denn einige, der nun ins Rampenlicht gestellten Künstler, sind seit Jahren mit Ausstellungen in Museen international präsent. Sie wurden eben nur von (Nischen-)Sammlern entsprechend wahrgenommen. Auf der anderen Seite stachen neue imposante, spannende wie teilweise faszinierende Positionen von Faith Ringgold (Houldsworth Gallery), Zanele Muholi (Stevenson Gallery), Cinga Samson (Blank Projects) oder Billie Zangewa (Blank Projects) ins Auge.

Installation verspeist

Für Aufsehen sorgte der in Wien lebende Künstler Amoako Boafo. Der in Ghana geborene Boafo hat heuer nicht nur sein Studium an der Akademie der bildenden Künste abgeschlossen und den Strabag Art Award gewonnen, sondern ihm ist auch international ein Durchbruch gelungen: Ausverkaufte Einzelpräsentation mit seiner Serie "Black Diaspora" bei der Chicagoer Galerie Mariane Ibrahim, Titelseiten auf Kunstmagazinen, eine Künstlerresidenz in Miami und im neu eröffneten Rubell-Museum einen Raum mit den Ankäufen des renommierten Sammlerehepaars. Lagen seine Preise bei der Abschlussausstellung der Akademie zwischen 5000 und 10.000 Euro, wurden der Galeristin seine Arbeiten in Miami zwischen 30.000 und 40.000 US-Dollar förmlich aus Hand gerissen. Die sonderbare Optik dabei: Seine Wiener Akademie-Professorin Kirsi Mikkola tritt quasi als seine Vermittlerin, Managerin in Erscheinung - eine Konstellation, die etwas, wie man es in den USA bezeichnen würde, "bananas" ist.

Aber wahrscheinlich nicht so verrückt wie die Performance, die sich Künstler David Datuna "in Zusammenarbeit mit der Galerie Perrotin" geleistet hat: Er verspeiste die Installation "Comedian" (eine an der Wand befestigte Banane; Preis: 120.000 US-Dollar) von Maurizio Cattelan. Zusammenarbeit deswegen, weil die Galerie auf Regressansprüche verzichtete - durch die weltweite mediale Resonanz haben Künstler und Galerie einen um vielfach höheren Mehrwert erzielt. Klassische Erste-Welt-Kunstskandälchen.