Zwar runden sich die Lebensdaten von Andy Warhol im nächsten Jahr nicht zu einem festwürdigen Jubiläum: Der Künstler kam 1928 zur Welt und verließ sie 1987. Das mumok (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig) stellt Warhol dennoch ins Zentrum seines Programms für 2020.Der Höhepunkt des kommenden Jahres dürfte eine Ausstellungstrias zur Pop-Art-Ikone werden, die ab 1. Mai läuft. "Andy Warhol. Exhibits. A Glittering Alternative" soll Warhols weit gefassten Ausstellungsbegriff verdeutlichen – als Teil eines performativen Prozesses. "Anstatt nur einen Einzelaspekt herauszuarbeiten, liegt der Anspruch der Ausstellung mit mehr als 200 Objekten darin, Warhols installativen Prozess zu dokumentieren", hält Kuratorin Marianne Dobner der Haltung "Schon wieder eine Andy-Warhol-Ausstellung" entgegen. Teil zwei läuft unter dem Titel "Defrosting the Icebox. Die verborgenen Sammlungen der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Weltmuseum Wien" und zeigt keine eigenen Arbeiten Warhols, sondern nähert sich den Objekten mit den von ihm entwickelten Präsentationsstrategien. Und schließlich ordnet man mit dem letzten Teil des Trios, "Misfitting Together", die seriellen Charakteristika der Pop Art in den gemeinsamen Kontext von Conceptual und Minimal Art.

Den Herbst dominiert dann Heimo Zobernig, der ab 26. September mit einer Personale seines malerischen Oeuvres gewürdigt wird. In einer vom Künstler entworfenen Ausstellungsarchitektur soll ein Schwerpunkt auf diesen Aspekt des medienübergreifenden Schaffens des 61-Jährigen gelegt werden. Zobernigs Kunst sei ebenso das Objekt wie der Gegenstand der Analyse, sagt Direktorin Karola Kraus.

Zum Auftakt des Jahresprogramms zeigt man allerdings zunächst ab 6. März die Retrospektive "Gelebt", die das vielgesichtige Werk der 2017 verstorbenen Ingeborg Strobl präsentiert. Die Meisterin der parabelhaften Tierdarstellung hatte dem mumok ihr Archiv vermacht. Parallel dazu ist die prosaisch "Butter" umschriebene Schau des Kanadiers Steve Reinke zu sehen, der nicht zuletzt in Stickereien den Tod und das Vergehen beleuchtet. "Reinke widmet sich dem Ende von Dingen", sagt Kuratorin Manuela Ammer. Das Randständige des Kunstmarktes rückt die Norwegerin Ane Mette Hol in den Fokus ihrer Arbeit, mit Objekten wie einer Papierrolle am Boden oder Zeichnungen von scheinbar prosaischen Objekten in der Schau "Im Werden" (Arbeitstitel, ab 3. Juli). Resümee und Ausblick soll schließlich ab 26. September das "Museum der Wünsche II" sein, das wie einst die Antrittsschau der neuen Direktorin Kraus vor zehn Jahren Ankäufe und Schenkungen zeigt. So konnte man seit 2011 insgesamt 930 Schenkungen als Neuzugänge in der Sammlung begrüßen.

Leitung ab Oktober 2020 offen

Noch keine Neuigkeiten gibt es indes in der Frage, wer ab 1. Oktober 2020 an der mumok-Spitze stehen wird. Die Ausschreibungsfrist ist hier am 12. November ausgelaufen, wobei neben Kraus' eigener Bewerbung 18 weitere Interessenten ihren Hut in den Ring geworfen haben. Sie habe noch nichts aus dem Ministerium gehört, außer, dass ihre Bewerbung eingegangen sei, sagt Kraus: "Nun gilt es, die Hearings abzuwarten."

Bezüglich Zahlen kann die Direktorin aber nach ihrer Darstellung entspannt in die Gespräche gehen. Wiewohl die Besucherzahlen der Bundesmuseen auch kommendes Jahr traditionell vom Ministerium gesammelt bekanntgegeben werden, gab Kraus eine kleine Vorausschau: "2019 war ein äußerst erfolgreiches Jahr." Im Vorjahr verzeichnete ihr Haus 235.683 Besucher und mehr als eine Million Euro an Karteneinnahmen, aber "2019 wird das Jahr mit den höchsten Besucherzahlen und den höchsten Kartenerlösen seit Bestehen des mumok." (apa/irr)