Rom. Die Ermittlungen um ein mutmaßliches Gemälde Gustav Klimts, das nach fast 23 Jahren in Italien wieder aufgetaucht ist, laufen auf Hochtouren. Ein Expertenteam wurde von der im Fall ermittelnden Polizei eingesetzt, um die Echtheit des Bildes zu prüfen. Die Polizei kontrollierte erneut das Verlies in einer Hofmauer der Galerie, in dem das Gemälde  "Bildnis einer Frau" zufällig von einigen Arbeitern gefunden worden war.

Zugleich führt die Staatsanwaltschaft von Piacenza Ermittlungen wegen Hehlerei, berichteten italienische Medien. Das Gemälde befindet sich an einem sicheren Ort, wo es von Experten geprüft wird. Das Bild ist Teil einer Serie von Damenporträts, die Klimt in seinen letzten Lebensjahren, zwischen 1916 und 1918, geschaffen hat. Es zeigt das Viertelprofil einer jungen Frau mit dunklen Haaren vor grünem Hintergrund.

Guter Zustand, Analysen nötig

Das Gemälde, mit Stempel und Siegel versehen, sei in gutem Zustand, berichtet der Direktor der städtischen Galerie, Massimo Ferrari. Im Plastiksack, in dem das Gemälde gefunden wurde, entdeckten die Ermittler auch Kabel des Alarmsystems der Galerie, das zum Zeitpunkt des Diebstahls im Februar 1997 nicht funktionierte. Diese Kabel wollen die Ermittler genau unter die Lupe nehmen. Die Experten wollen prüfen, ob das Gemälde seit dem Diebstahl im Verlies versteckt gehalten wurde, wo es von einigen Personen, die mit Gartenarbeiten im Museumsgelände beschäftigt waren, entdeckt wurde.

Das Besondere an dem nun wiedergefundenen Bild ist, dass sich unter dem "Bildnis einer Frau", deren Name nicht genannt wird, noch ein anderes Frauenporträt, diesmal mit Hut, versteckt. Dieses Bild wurde 1912 in Dresden ausgestellt und galt dann als verschollen. Erst 1996, kurz vor dem Diebstahl, entdeckte eine italienische Studentin das übermalte Gemälde.

Markus Fellinger, Kurator der Sammlung 19. und 20. Jahrhundert im Wiener Belvedere, ist der Ansicht, dass gründliche Analysen notwendig seien, um die Echtheit des Gemäldes zu prüfen. "Sollte sich herausstellen, dass das entdeckte Bild das Original ist, wäre das eine unglaubliche Geschichte. Dieses Werk ist außerordentlich und einmalig", sagte Fellinger im Gespräch mit der Tageszeitung "La libertá".(apa)