Dagmar und Manfred Chobot begannen früh, auch Art brut zu sammeln, etwa dieses Bild des Gugginger Künstlers August Walla. - © Albertina Wien
Dagmar und Manfred Chobot begannen früh, auch Art brut zu sammeln, etwa dieses Bild des Gugginger Künstlers August Walla. - © Albertina Wien

Das Ehepaar Dagmar und Manfred Chobot begann 1968 zu sammeln, und was mit Wien um 1900 eher als Verlustgeschäft begann, wendete sich schnell über die Clubabende in der Secession zur Gegenwartskunst. 1971 eröffneten sie eine Galerie, zuerst am Yppenplatz, später in der Domgasse, wobei sich neben exklusiven Einzelvertretungen wie für Karl Anton Fleck einige Schwerpunkte herauskristallisierten - das war vor allem die Begeisterung für die Art Brut aus Gugging mit den frühen Hauptmeistern Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla. Dabei waren die Chobots den Museen voraus, teilten ihre Begeisterung mit den Vertretern der Wirklichkeiten, vor allem Peter Pongratz, Robert Zeppel-Sperl und Franz Ringel, die mit Arnulf Rainer die "Entdecker" der Gugginger waren und diese für Impulse zum eigenen Werk heranzogen. Schließlich galt aber auch der Skulptur nach 1945 und ihrem Wandel von der Steinbildhauerei über Aluminiumgüsse bis zum Objekt ein Hauptaugenmerk.

Die Albertina zeigt einen kleinen Teil (60 Werke von 800 Ausgewählten), die nun als Schenkung ins Haus kamen - zum Teil direkt von den Wänden in der Wohnung des Paares oder gar, wie der frühe "Samson" Alfred Hrdlickas, von vor der Bettkante im Schlafzimmer.

Politische Positionen

Hrdlicka und viele der anderen Werke transportieren den stark politischen Impetus der Avantgarde der Nachkriegszeit, dem das besondere Interesse der Sammler galt: Als Maler hat Hrdlicka den "Plötzenseer Totentanz" - 1964 in Erinnerung an den ermordeten Widerstand in Berlin geschaffen - hier mit der großen Leinwand "Exekution" an der Stirnwand präsent. Noch bemerkenswerter ist sein Aquarell "Nackte Frauen tanzen vor Adolf Hitler" von 1975. Die Albertina besitzt zwar große Teile des grafischen Werks von Hrdlicka, aber dies sind wesentliche Ergänzungen, und es gab vor allem bis jetzt, außer in der übernommenen Sammlung Essl, keine eigenen Bestände zu den "Guggingern".

Als zweites Beispiel für Skulpturen wird Bruno Gironcolis "Daphne" aus Aluminiumguss gezeigt und das wichtige Blatt "Entwurf Nr. 6, Projekt Nr. 6" für die frühe Installation aus Metallteilen "Säule mit Totenkopf", die für die Biennale 1971 in São Paulo entstand. Die brüchigen Säulen tragen Totenköpfe und verkehrt gedrehte Hakenkreuze. Gironcoli arbeitet selbst mit dem Tabubruch der Verwendung verbotener Symbole, um die, seiner Meinung nach, damals noch zu geringe Überwindung des Nationalsozialismus hierzulande in künstlerischer Aufarbeitung einzumahnen.

Politisch in diesem Sinn, aber auch in Sachen gesellschaftlicher Position der Frau, sind die frühen Arbeiten von Adolf Frohner und Florentina Pakosta, wobei es um Sexismus in der Werbung geht in Frohners "Die Puppen", aber auch Versehrtheit und Pornografie zur Sprache kommen. Das sind Hauptthemen für die feministischen Künstlerinnen, unter denen Pakosta früh kritisch wie ironisch den Blick auf die dominanten Männer richtete, die in einer Gruppe von Köpfen als skeptische "Zuschauer" 1979 einen Schnabelkopf nach Franz Xaver Messerschmidt entwickeln können.

Hinterfragtes Schönheitsideal

Zwei weitere Überraschungen sind die nach Erhard Stöbes Pop-Art-Phase entstandenen kritischen Aquarelle, die sich mit Schönheitsideal, sozialpolitischer Aufarbeitung und Frauenfragen befassen, aber auch ein weiteres Thema des Künstlers, die Interieurs, 1971 vor allem Kaffeehäuser, anklingen lassen. Stöbe ist ein Geheimtipp und eine Wiederentdeckung gleich am Anfang unter einigen noch zu entdeckenden Positionen aus der Sammlung Chobot.

Alfred Hrdlicka bezieht in "Nackte Frauen tanzen vor Adolf Hitler" politisch Position. - © Albertina Wien
Alfred Hrdlicka bezieht in "Nackte Frauen tanzen vor Adolf Hitler" politisch Position. - © Albertina Wien

Als Erwin Wurm Ende der 1980er Jahre begann, seine "one minute sculptures" als Handlungsanweisungen in Zeichnung und Fotografie festzuhalten, um beim Publikum nachstellbare Haltungen anzuregen, waren die Chobots wieder als frühe Käufer zur Stelle, da sie die Übertragung der Skulptur auf den Körper nach dem Aktionismus als postmoderne Ironie wie als partizipatives Verfahren schneller als andere erfasst haben. Der Schwerpunkt des Einblicks wird im März in der ersten Schau der Albertina modern, "The Beginning", im Künstlerhaus eine Rolle spielen, Hrdlickas "Samson" oder Beispiele von Ringel, Gironcoli und den Gugginger werden dort mitsprechen. Lücken in Sachen "Neue Wilde", daneben internationale Größen wie A. R. Penck (Ralf Winkler), werden ebenso geschlossen.