Tanz auf dem

Das ist ein G. Eins mit Guckloch. Drago Prelogs "Zweitwelten-G" (2019). - © Galerie ARTECONT
Das ist ein G. Eins mit Guckloch. Drago Prelogs "Zweitwelten-G" (2019). - © Galerie ARTECONT

brennenden Ölfeld

(cai) Neujahr? Das ist ja eh schon in zwei Wochen. Oder auch nicht. In der Galerie Sophie Tappeiner geht’s nämlich nicht um "unseres", sondern um "Newroz" (eigentlich "der neue Tag"), das kurdische Neujahr, das im März, genau zur Tagundnachtgleiche, gefeiert wird und das stark politisch aufgeladen ist. Als Symbol des Widerstands.

Unpolitisch ist die sinnliche und farbstarke Installation von Jala Wahid also nicht. Die gelbe Sonne an der Wand ist exakt die, die mit ihren 21 Zacken auf der Fahne der Kurden scheint. An der Wand gegenüber ist sie schwarz, und zwischen Tag und Nacht tanzen nun locker verteilte Frauenbeine, an die sich zarte Stoffe mit seidigem Glanz schmiegen. Förmlich zu kleben scheint die Seide an den schwitzenden Unterleibern. Und doch blickt man nur in die hohlen Abgüsse des fleischlichen Lebens. Der "schwebende" Kopfschmuck hängt ebenfalls leer herab.

Hm. Der fragmentierte Körper als Metapher für ein verstreutes Volk? Für die Suche einer kurdischen Künstlerin nach Identität in der Fremde? (Sie lebt in London.) Und vom Keller stampfen ekstatische Trommelschläge die Stufen herauf. Die gehören zum Video "Fiery Father" (feuriger Vater), das einen mit seinem hypnotischen Rhythmus unwiderstehlich mitreißt in eine Welt aus Hitze, Naturgewalt und Mythos und einem die wuchtigen Verse von Jala Wahid förmlich ins Hirn hämmert. Auch wenn man den - englischen - Text selber lesen muss, der die dramatischen Bilder von blutrotem "Öl" begleitet.

"To be Kurdish, is to be made of oil and mountains . . ." (Aha, Kurden sind aus Öl und Bergen gemacht.) Beim Tanzen wird da dem Tod und der Schwerkraft getrotzt. Und Baba Gurgur beschworen, der Vater des Feuers, das riesige Ölfeld in den Kurdengebieten im Irak mit seiner ewigen Flamme. Einprägsam.

Galerie Sophie Tappeiner

(An der Hülben 3)

Jala Wahid, bis 10. Jänner

Mi. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Im Auge des

Drehwurms

(cai) Seine Bilder mögen eckig sein, aber sein Geburtstag, der ist rund. Okay, die mittlerweile 60 "Hommage-Bilder" haben links immer eine Nase mit abgerundetem Spitzl, doch davon hängt hier eh keins an der Wand, und das Buch, das sie alle vereint ("Drago Julius Prelog - Eine gemalte Biographie 1959 - 2019"), besitzt auch nur lauter Ecken. (Jahr für Jahr kürt der Prelog nämlich so etwas wie die "Bildidee des Jahres" und malt sie noch einmal.)