Die Gerüste sind längst abgebaut, das Haus erstrahlt in neuem Glanz: Mit einem Fest zur Wiedereröffnung zieht die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs am 6. März in das frisch renovierte Künstlerhaus am Karlsplatz ein, zugleich eröffnet die Ausstellung "Alles war klar" auf den verbliebenen 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Neue Wege wird auch der 2018 angetretene künstlerische Leiter Tim Voss beschreiten, der seinen Vertrag gekündigt hat.

Dem Haus will er allerdings weiterhin - mit einem Werkvertrag - als künstlerischer Berater erhalten bleiben. Das Programm für die kommenden zwei Jahre liege "am Tisch", wie er am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz sagte. Die "Umwandlung" seines Vertrages gab er allerdings erst im Anschluss an das Pressegespräch auf eine entsprechende Journalisten-Nachfrage bekannt. Künstlerhaus-Präsidentin Tanja Prusnik erklärte, dass man derzeit an der Formulierung eines Profils für den Ausschreibungstext für eine neue künstlerische Leitung arbeite. "Tim Voss war ja unser erster künstlerischer Leiter. Das war ein Lernprozess. Wir konnten viel von dem aufnehmen, was er eingebracht hat, manche Dinge waren aber auch ausbaufähig. Wir arbeiten jetzt jedenfalls weiter", erläuterte sie auf Nachfrage. Voss selbst sagte, er habe im Sommer die vergangenen eineinhalb Jahre - die er im Ausweichquartier in Wien-Margareten programmiert hatte - für sich bewertet. Einiges von seinen Erwartungen habe sich einlösen lassen, anderes nicht. Er gebe das Programm nun "in neue Hände".

Gruppenausstellung zur Geschichte des Hauses

Kernstück davon ist sicherlich die Eröffnungsausstellung: Unter dem Titel "Alles war klar" hat Voss in- und ausländische Künstler zu einer Gruppenausstellung eingeladen, die sich anhand überwiegend für die Schau neu geschaffenen Werken mit der wechselvollen Geschichte des Künstlerhauses auseinandersetzen. Thema soll die Befragung der "institutionellen Routinen über die letzten 150 Jahre des Künstlerhauses" sein. Zu den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern zählen unter anderem Elke Krystufek, Max Schaffer und Toni Schmale. Im Zuge der Eröffnung findet eine Performance von Florian Ashka und Larissa Kopp statt: In Form einer "zeremoniellen und kaiserlichen Eröffnung" wird eine "symbolische Schlüsselübergabe" stattfinden. Den 7. März widmet man ganz dem künftig verstärkt geplanten Vermittlungsprogramm mit Workshops und Führungen unter dem Titel "Für einen Tag Mitglied im Künstlerhaus".

Somit eröffnet das Künstlerhaus eine Woche vor der "Albertina modern", die ab 13. März 2.000 Quadratmeter im Erd- und Untergeschoß mit der Eröffnungsausstellung "The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980" bespielen wird. Dies ist Teil der Lösung mit der Haselsteiner Familien-Privatstiftung, die 74 Prozent der im Jahr 2015 gegründeten Künstlerhaus Besitz- und Betriebs GmbH hält, wodurch die umfassende Sanierung überhaupt erst möglich gemacht wurde. Besonders freut man sich im Künstlerhaus über die neu errichtete "Factory", die als multimedialer Diskussionsraum zur Verfügung stehen soll, um "rasch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen reagieren zu können".

Queer-feministische Raumaneignung

Auch das weitere Programm wurde am Dienstag bereits bekanntgegeben: Im September folgt die Schau "Synchroni-Cities (Im)posssible Solidarities Off Track". Gezeigt werden soll dabei "ein kartographischer Blick auf das Potenzial queer-feministischer Raumaneignung sowie dessen tragfähige Koordination der Solidarität, Kollaboration und Vernetzung". In der nach einer Idee von Prusnik von Felicitas Thun-Hohenstein und Alenka Gregoric (Slowenien) kuratierten Schau setze man die zur Tradition gewordenen Länderkooperationen fort. Von Februar bis Juni 2021 folgt die von Tim Voss und Ariane Müller kuratierte Schau "Disposession", die die Geschichte des Künstlerhauses selbst zur Disposition stellt. Rund 15 Künstler wollen dabei der Frage nach dem "Ausschluss" von Menschen nachgehen, der Fokus liege besonders in der Zeit des Künstlerhauses rund um den "Anschluss" 1938.

Künstlerhaus-Geschäftsführer Peter Zawrel freute sich über die geglückte Rückkehr in das Stammhaus. Auf Nachfrage zu der Gesprächsbasis mit der "Albertina modern" meinte er, "dass derzeit die praktischen Anforderungen im Vordergrund" stünden, es gehe um die Herausforderung, das Gebäude optimal zu nützen. "Es ist klar, dass ein Bundesmuseum auf Expansionskurs andere Positionen hat als eine Künstlervereinigung". Das sei eine "interessante Dynamik". Er hoffe jedenfalls auf eine "gut funktionierende Wohngemeinschaft", zu der auch der künftige Nutzer der Räumlichkeiten des Theaterhauses brut Wien gehören werde. Eine Rückkehr des brut schloss Zawrel aus; dessen Zukunft ist jedoch nach wie vor unklar. Derzeit bemüht man sich mit der Stadt Wien um einen möglichen Einzug in den ehemaligen TBA21-Standort im Augarten, hier ist jedoch noch nichts entschieden, wie man hört.

Die Subventionen der Stadt Wien und des Bundes für das Künstlerhaus, die zwischen 2000 und 2015 nicht valorisiert wurden und zur Zeit der Zwischennutzung im Künstlerhaus 1050 "nahezu halbiert wurden", sollen ab 2020 wieder auf das frühere Niveau angehoben werden. "Das ist natürlich Lichtjahre von einer Valorisierung entfernt", so Zawrel. (apa)