Der österreichische Bildhauer Wander Bertoni ist am Morgen des 23. Dezember im Alter von 94 Jahren gestorben, wie seine Familie am Montag bekanntgab. Er war eine der prägenden Figuren der bildenden Kunst in Österreich nach 1945.

Bertoni kam im Jahr 1925 in der kleinen italienischen Ortschaft Codisotto zur Welt, Provinz Reggio Emilia. Sein Vater war Baumeister und überzeugter Gegner der Faschisten, was zu jener Zeit selbstverständlich kein Vorteil war. Und weil sich der Vater so sehr über das Naheverhältnis der katholischen Kirche zur faschistischen Partei ärgerte, wollte er keinem seiner Kindern einen christlichen Vornamen geben. Also nannte er seinen Sohn Wander, ein Name, der sich aus der etruskischen Tradition im nördlichen Italien ableitet.

Eine Archivaufnahme des Künstlers in seinem Museum in Winden am See. - © APAweb , Georg Hochmuth
Eine Archivaufnahme des Künstlers in seinem Museum in Winden am See. - © APAweb , Georg Hochmuth

Zwangsarbeiter in Wien

Die dramatischen historischen Ereignisse in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, gaben Bertonis Leben von allem Anfang an eine ganz spezielle Richtung. Von den deutschen Truppen als Zwangsarbeiter verschleppt, schuftete er ab 1943 in Wien in der Rüstungsindustrie. "Der Winter 1943/44 war besonders kalt", sollte er später anlässlich seiner Plastik "Der Sonnenanbeter" sagen, die heute im Winden am See am Ufer des Neusiedler Sees steht. "Damals arbeitete ich als Zwangsarbeiter zwölf Stunden am Tag. Ich sah buchstäblich kaum die Sonne. Seit damals habe ich zu der Sonne eine fast religiöse Beziehung."

Beim Neubeginn der Kunstszene nach dem Ende der Nazi-Diktatur war Bertoni von allem Anfang an dabei. Er studierte bei Fritz Wotruba und war einer der Gründer des Art-Club, der ab 1946 Positionen der Moderne in Wien zu etablieren versuchte. Ihm sei bewusst gewesen, sagt Bertoni später in einem Interview, "dass in der Bildhauerei, zu der ich mich hingezogen fühlte, eine große Reinigung passieren müsse".

In der Gritsch-Mühle

Dieser Weg führte ihn zu außerordentlichen Erfolgen. 1947 nahm Bertoni bereits an der Triennale in Mailand teil, von 1950 bis 1966 war er viermal an der Biennale von Venedig vertreten.In den sechziger Jahren, als er bereits Professor an der Universität für Angewandte Kunst war und eine eigene Meisterklasse leitete, kaufte er in Winden am Fuß des Leithagebirges eine alte Mühle, die er mit großem Einsatz renovierte.

Später erwarb er immer wieder angrenzende Grundstücke und so entstand hinter den Weinbergen von Winden ein ausgedehntes Areal, ein Park, in dem sich vielerlei Wunder eines kreativen Lebens versammeln. Dort soll Bertoni in einem Grabmal im etruskischen Stil, das er selbst entworfen hat, Anfang Jänner beigesetzt werden. (Der genaue Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben. Die Familie heißt ausdrücklich alle, "die Abschied nehmen wollen, herzlich willkommen".)

Bertonis Werk ist an vielen Orten in Wien präsent und ein fester Bestandteil des Alltags. Da steht zum Beispiel aus dem Alphabet-Zyklus "Das große U" vor der Volksschule in der Flotowgasse, oder die "Große Bewegung", ein Symbol des Sports, in der Stadthalle, "Die weinende Brücke" in der Siemensstraße, der Energiebrunnen "Wasser, Wind, Sonne" am Rudolfsplatz, mehrere Reliefs in der Staatoper oder der "Ikarus" am Flughafen, um nur einige wenige zu nennen.

Ganz zu schweigen von seiner Präsenz in Salzburg im Festspielhaus und vielen anderen Orten in Österreich.
Ein einzigartiger Überblick über das Lebenswerk des Bildhauers ist auf jeden Fall rund um die Gritsch-Mühle in Winden  versammelt, ungefähr eine Autostunde von Wien entfernt. (apa/hoff)