Joseph Anton Koch (1768-1839) aus Tirol ging als Landschaftsmaler und Sympathisant der Französischen Revolution nach Aufenthalten in Stuttgart, Straßburg und Basel 1794 zu Fuß über die Alpen nach Florenz und Rom. Von seinen Alpenlandschaften ist der romantische "Schmadribachfall" (München, Pinakothek) die bekannteste. 1795 begann er, sich als Freund der in Rom lebenden Klassizisten Asmus Jakob Carstens und Berthel Thorvaldsen mit der "Göttlicher Komödie" Dante Alighieris zu beschäftigen.

Bis 1802 stellte Koch 30 Kompositionen auf Papier fertig. In dieser Zeit reiste er auch durch Italien und heiratete eine Bauerstochter aus Olevano. Einflüsse von Giotto, Sandro Botticelli, Michelangelo Buonarroti und Luca Signorelli sind in den Zeichnungen zu Dante spürbar. Daneben haben auch Albrecht Dürer und, was die Teufel betrifft, die Feuer und Luft aus ihren Hinterteilen auspusten, sogar Hieronymus Bosch ihre Spuren in Kochs Zeichnungen hinterlassen.

Illustrationen zu Dante

Kochs Tochter heiratete später Johann Michael Wittmer, der dem Schwiegervater bei der Ausführung der Zeichnungen für ein später gescheitertes Buchprojekt und für die Freskierung der Villa Massimo bei Rom, einem weiteren Auftrag zu Dantes "Inferno", behilflich war.

43 Blätter zu Dante aus der Kupferstichsammlung der Akademie stammen von Koch selbst, 12 von Wittmer. Davon wird nun eine Auswahl im Korridor der Gemäldegalerie im Theatermuseum präsentiert. Insgesamt besitzt das Kupferstichkabinett einen großen Bestand an Zeichnungen: Neben dem Dante-Stoff handelt es sich dabei um Illustrationen der Tragödien des Aischylos und der Gesänge des Ossian von James Macpherson. Vieles wurden bereits 2011 durch Cornelia Reiter im Xhibit der Akademie vorgestellt. Das Konvolut geht auf Kochs Wienaufenthalt 1815 bis 1820 zurück und auf Kontakte, die er als Mentor der Wiener Malergruppe Nazarener mit Sammlern knüpfte.

Die Vorstudien haben eine besondere Eigenart, da sie in Tusche über dynamischen Bleistiftstudien ausgeführt sind. Sichtbar ist das große Wissen Kochs über die vielen Einzelheiten der "Divina Commedia", die er in Passagen auswendig zitieren konnte. Deutlich weniger Dynamik haben die akkurat ausgeführten Zeichnungen von Schwiegersohn Wittmer.

Hölle und Vorhölle

Koch konzentrierte sich auf die Kapitelteile Vorhölle und Hölle, da diese ihm offenbar spannender erschienen als das Paradies. Besonders ins Auge stechen neben den Dämonendarstellungen natürlich sein sechsflügeliger Luzifer mit drei Köpfen in einem runden Becken voller kleinerer Sünder wie Judas, Brutus oder Cassius. Weiters sind "Der Eintritt durchs Höllentor", "Dante und die drei Tiere" oder "Graf Ugolino und seine Söhne im Hungerturm" bemerkenswert.

Die Figuren mit Mischwesen zur Villa Massimo zeigen über quadratischem Linienraster König Minos mit dem Höllenrichter, diese Vorstudie diente der Übertragung auf den Karton für die malerische Ausführung, wobei der Marchese Carlo Massimi neben Koch Peter Cornelius, Joseph Führich und Ludwig Schnorr von Carolsfeld beschäftigte.