Bis zur Präsentation eines Künstlerbuchs von Matthias Herrmann am 25. Jänner ist seine umfangreiche künstlerische Recherche zu den fürstlichen Sammlungen der Familie Gonzaga als fotografische Inszenierung von acht Themeninseln in der Galerie im Salzburger Traklhaus zu sehen. Herrmann, der auch als Professor für Fotografie an der Akademie sowie als Präsident der Secession, mit seinen erotischen und meist zutiefst ironischen Selbstinszenierungen über Österreich hinaus lange bekannt ist, betritt damit künstlerisches Neuland.

Dieses hatte sich zwar zuletzt in seinen poetischen Reisefotografien bereits angekündigt, auch in den vielen Referenzen auf bekannte Werke der Kunstgeschichte. Nun kommt aber mit relativ großen Fototableaus seiner Installation im Palazzo Ducale von Mantua im Sommer 2019 ein neuer kontextueller Ansatz hinzu.

Künstlerische Recherche

Für acht Themeninseln suchte Herrmann die Sammlungsgeschichte der Familie Gonzaga, zu der auch die berühmte Mäzenin Isabella d’Este gehörte, die für ihr Studiolo Werke der berühmtesten Künstler ihrer Zeit bestellte, neu zu erzählen. Er fuhr den Werken, heute über viele Museen der Welt verstreut, nach, fotografierte sie und brachte sie wieder zurück vor Ort. Seine Recherche - auch der Häuser, Räume, Bildinhalte sowie Emotionen in Posen und Gesten - bleibt dabei immer künstlerisch, nie streng kunsthistorisch, und enthält somit die heute nötige Reflexion auf das Sammeln und transkulturelle Bildpolitiken, behandelt aber auch Fragen von Eros und Geschlechterkonstruktion, die für den Fotokünstler immer zentrale Bedeutung hatten.

Während in Mantuas Museum im Palazzo Ducale die Architektur des 15. und 16. Jahrhunderts und die berühmten Wandgemälde eines Giulio Romano, Peter Paul Rubens oder Correggio die acht Themeninseln seiner Installation dominierten, hat Herrmann für Salzburg große Raumaufnahmen seiner dortigen Inszenierungen mit Fotografien und Möbelstücken als neue Werkgruppe nach Salzburg mitgebracht. Darin antwortet nicht nur seine erheiternde Neuinszenierung, etwa als Amor in blauem Licht, auf die mythologischen Fresken-Ausschmückung des Palazzo del Té in Mantua vor der Kamera. Zudem macht Herrmann den seit der Antike in der westlichen Kultur existierenden Wettstreit alter mit neuer Kunst zum Thema. In Form des Dreischritts Imitatio - Aemulatio - Superatio übernahm die Malerei von der antiken Redekunst die Vorgabe, vom Nachahmen zum Versuch des Übertreffens zu wechseln und schließlich bis zum frechen Auftrumpfen vorzudringen: Die Renaissance hatte mit Künstlern wie Leonardo, der Fürstin Isabella in einer Zeichnung porträtierte, Meta-Ebenen für pathetische Künstlerlegenden.

Diesem Pathos widersteht die Neuinterpretation von Herrmann. Seine Inseln sind poetische Hinweise auf ein Wiederfinden - was etwa für das Studiolo gilt, das als Mischung aus Museum und Bibliothek, aber auch frühes Atelier erkundet wird. Während der Recherche baute Herrmann in seinem Haus in der Toskana sogar den Raum als Sehnsuchtsort Isabellas nach. Ein kleiner italienischer Schultisch mit Sammelobjekten ist Verweis darauf in der Schau, wie auch so manches royale Möbelstück als Staffeleiersatz für seine Fotografien dient. So ist die ganze Inszenierung seiner Gegenüberstellung eigener Fotoarbeit mit Spätrenaissance-Gemälden zwar keine schlichte Dokumentation, aber auch keine freche Behauptung in Form der Superatio. Die Räume sind ohne übliche Lichtinszenierung einzelner Werke im gleichmachenden Dämmerlicht, teils bei geöffneten Fenstern des Palazzo Ducale, aufgenommen worden. Herrmann stellt analoger Fotografie in ihrer auratischen Dichte die digitale zur Seite, selbst das Handyfoto dient ihm als Skizzierung, und so ist auch die Geschichte der Fotografie mit eingeschrieben, die in ein neues Zeitalter eingetreten ist, wie die Nachmoderne akademische Gesetze ironisch hintergeht. So komplex sahen bis jetzt nur Insider das Werk von Matthias Herrmann.