Da liegt ein H

Die Schmutzwäsche hat echt viel Spaß bei Alina Kunitsyna. - © kunst-dokumentation.com
Die Schmutzwäsche hat echt viel Spaß bei Alina Kunitsyna. - © kunst-dokumentation.com

im Hühnerstall

(cai) Dasselbe intime Format, dieselbe minimalistische Komposition. Und der Ausstellungstitel ist genauso ökonomisch wie diese Bilder. Der kommt nämlich mit zwei Wörtern aus: "Helmut" und "Federle". Der Untertitel ist dafür umso ausführlicher: "Basics on Composition 1992 & 2019 / Horizont der sieben Seen." (Sind das nicht zwei Untertitel?) Und dann kriegt man in der Galerie nächst St. Stephan nicht einmal einen See zu sehen. Na ja, versprochen wird einem eh bloß deren Horizont. Eine waagrechte Linie.

Helmut Federle ist hier nicht ganz so radikal wie der Georg Baselitz. Zumindest stellt er sein Motiv (den Anfangsbuchstaben seines Vornamens) nicht auf den Kopf. Dreht es nur um 90 Grad, nicht um 180. No na, sonst könnte er das H ja gleich um 360 Grad drehen. Das "Liegende H": quasi seine Ikone. Und wie schon 1992 hat er es 2019 wieder in diversesten Varianten durchgespielt. Ob grafisch streng oder mit rotzigem Gestus "vermenschlicht", immer geht’s offenbar auch um die elementare Beziehung zwischen Figur und Grund. Ein schwarzes H auf gelblich grünem Grund also oder doch zwei gelblich grüne Quadrate auf schwarzem Grund? Beides. Und eigentlich auf demselben Grund. Beim dazugehängten japanischen Farbholzschnitt aus der Edozeit ist die Sache klar. Da sind die Quadrate eindeutig hinten. Fünf "tapfere Männer" vor kariertem Hintergrund.

Die Bildtitel führen daneben ein poetisches Eigenleben. Jenseits des Bildrands. Erzählen von Reisen, Eindrücken. Oder konterkarieren einfach die "Weltfremdheit" der abstrakten Kunst: "Red Scorpion/Hühnerstall." Sogar Texte ohneBild (aber nicht ohne H) schwirren herum: "Heute starb eine Amsel vor meinen Augen." Apropos Augen. Meine brauchen jetzt jedenfalls lange keine Hs mehr.

Galerie nächst St. Stephan

(Grünangergasse 1)

Helmut Federle, bis 25. Jänner