Eben hat Italien den 500. Todestag von Leonardo da Vinci gefeiert, nun steht jener des Malers Raffael bevor: Am 6. April 2020 wird der Grabstein des Renaissance-Meisters in Rom ein halbes Jahrtausend alt sein. Die ewige Stadt schmückt die Ruhestätte des Künstlers darum für das gesamte Jahr mit einer roten Rose; vor allem aber gedenkt Italien mit einem dichten Ausstellungsprogramm des Pinselvirtuosen.

Raffaello Sanzio gilt vielen als vollkommenster Vertreter der Hochrenaissance: 1483 in Urbino geboren, war er nach Aufenthalten in Perugia und Florenz nach Rom gekommen, stieg dort zum Baumeister von Sankt Peter auf und erwarb schon zu Lebzeiten Ruhm und Ehre. Raffael erhielt in der Tiber-Stadt den Auftrag, im Apostolischen Palast die päpstlichen Gemächer (Stanzen) mit monumentalen Wandgemälden auszuschmücken. Zwischen 1509 und 1517 entstanden seine berühmtesten Werke wie etwa der "Parnass", die "Disputa del Sacramento" und "Die Schule von Athen", die die Künste, die Religion sowie die Philosophie preisen.

Ausstellung der Superlative

In der italienischen Hauptstadt wird am 5. März in den Ausstellungshallen des Präsidentenpalasts eine große Schau über Raffael eröffnet. Der Publikumsmagnet in den Scuderien des Quirinalpalasts vereint unter dem Titel "Raffaello" mehr als 200 Gemälde und Zeichnungen, die nach Angaben der Organisatoren bisher noch nie gleichzeitig gezeigt wurden. Bis 2. Juni können die Werke Raffaels bewundert werden, als Leihgaben beigesteuert von den Uffizien, dem Louvre, der Wiener Albertina, dem British Museum in London, dem Prado in Madrid, der National Gallery of Art in Washington und dem Palais des Beaux-Arts in Lille.

Den Kuratoren der Ausstellung in Rom stand ein wissenschaftliches Komitee zur Seite, dem auch Albertina-Kurator Achim Gnann sowie die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, und Nicholas Penny, Ex-Direktor der Londoner National Gallery, angehörten. "Die Uffizien, in denen sich die größte Zahl von Gemälden und Zeichnungen konzentriert, haben sich mit Enthusiasmus an der Organisation der Feierlichkeiten zum 500. Todestags Raffaels beteiligt, um einen neuen Einblick in die römische Schaffensperiode des Künstlers zu bieten", sagte Direktor Eike Schmidt, der weiterhin das italienische Prestige-Haus leitet, statt wie ursprünglich paktiert an das Wiener Kunsthistorische Museum zu wechseln.

Bis zum 19. Jänner läuft noch in Raffaels Geburtsstadt Urbino eine Ausstellung mit 83 Renaissance-Werken, 19 davon stammen vom Jahresjubilar selber. Die Schau mit dem Titel "Raffael und die Freunde von Urbino" hatte im Oktober die italienischen Veranstaltungen zum 500. Todestags des Künstlers eingeleitet. Ein ausgestelltes Männerporträt Raffaels stammt aus der Liechtenstein Sammlung in Wien. Die Schau wurde vom Linzer Kulturmanager Peter Aufreiter organisiert, der seit 2015 in Urbino die Nationalgalerie der Marken leitete und mit Jahresbeginn zum Technischen Museum in Wien gewechselt ist.

Dem Schaffen Raffaels in seinen Jugendjahren ist eine Ausstellung in Città di Castello nahe der umbrischen Hauptstadt Perugia gewidmet, die im Oktober 2020 eingeweiht wird. In Città di Castello vollendete Raffael 1504 für die Kirche San Francesco sein frühes Meisterwerk "Die Vermählung der Maria". Mit diesem Gemälde übertraf er seinen Lehrer Perugino, der zur selben Zeit ebenfalls eine Vermählung Mariä malte. Vier Gemälde schuf Raffael in der umbrischen Stadt.

Der nächste Anlass wartet schon

Nach dem Leonardo- und Raffael-Jahr ist in Italien das Ende der Gedenkfahnenstange übrigens noch nicht erreicht: 2021 wird ganz im Zeichen des italienischen Nationaldichters Dante Alighieri (1265-1321) anlässlich dessen 700. Todestags stehen. Florenz, die Heimatstadt des Verfassers der "Göttlichen Komödie", arbeitet bereits an einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm.