Ein großes Jubiläum im Bereich Kunst gibt es 2020 nur eines: Am 6. April ist der 500. Todestag von Raffael (Raffaelo Sanzio oder Santi). Von ihm gibt es - im Gegensatz zu Leonardo - ein berühmtes Werk im Wiener Kunsthistorischen Museum, die "Madonna im Grünen". Nach dem späten Rückzug von Eike Schmidt musste Generaldirektorin Sabine Haag ihr Ausstellungsprogramm sehr schnell planen. Die bereits von jenem vorgegebene Schau "Beethoven bewegt" mit Leihgaben von Auguste Rodin, Rebecca Horn, Anselm Kiefer und anderen Größen kann sie übernehmen. Ihrer langjährigen Planungskompetenz
ist es aber zu danken, dass nicht
die Renaissance nördlich der Alpen die wichtigste Sonderausstellung sein wird, sondern ab 13. Oktober mit "Tizian und die Frauen" ein
weiterer Superstar samt Seitenblick auf venezianische Mode im Zentrum steht. Die "Azteken"-Schau ab 25. Juni im Weltmuseum integriert einen stillen, wohl aber auch umstritte-
nen Weltstar: die Federkrone des Moctezuma.

Ein weiterer Weltstar wird mit frühen Konzepten Andy Warhols ab 30. April im Mumok abgefeiert, ein "Museum der Wünsche II" für den Herbst kündigt vor allem den Wunsch von Direktorin Karola Kraus auf Verlängerung an. Eine spannende Brücke zum Weltmuseum und der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums verspricht die Sammlungsschau "Defrosting the Icebox" ab 1. Mai, konzeptuell Serielles kommt unter dem Titel "Misfitting together" ab 30. April in die gewohnt kühlen Mumok-Leidenschaften. Sonst gibt es Personalen von Ingeborg Strobl (ab 5. März) bis Heimo Zobernig (ab 26. September).

Die Themen der Zeit

Die großen kulturellen Themen Klimawandel, Migration und postkoloniale Richtung finden sich in Ausstellungen der Secession, was nicht verwundert für den Hauptort aktueller Gegenwartskunstfragen (dabei John Akomfrah, Sophie Thun, Verena Dengler, Marie Hassabi oder Danh Vo), aber auch mit "Nach uns die Sintflut" ab 16. September im Kunst Haus Wien, das zuvor Biodiversität mit einer Installation von Claudius Schulze in der Garage diskutiert, und den bekannten Amerikanischen Fotografen Alec Soth eingeladen hat.

Der im Kunst Haus Wien musealisierte Friedensreich Hundertwasser bekommt eine spannende Gegenüberstellung mit Egon Schiele im Leopold Museum, "Imagine Tomorrow" des internationalen Kurators Robert Fleck startet am 20. Februar. Auch Beethoven ist hier ein Thema (neben ÖNB, KHM und Wien Museum): Als Inspiration wird das Beethovenzimmer der Villa Scheid von Josef Maria Auchentaller als Pendant zu Klimts Beethovenfries rekonstruiert. Hier fließen Forschungen Dominik Papsts und Werner Teleskos zu Wien um 1900 ein. Dazu zeigt das Leopold Museum die Sammlung Emil Bührle mit Werken von Monet, Cézanne, Van Gogh und Gauguin, die auch im Belvedere und der Albertina zur Sprache kommen werden. Emil Pirchan als Universalkünstler und Erwin Osen zu Schiele werden von Bildhauer Josef Pillhofer aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ergänzt, Gegenwartskunst und Fotografie bleiben hier rar, dafür wird im April die MQ-Libelle am Dach eröffnet, an der Brigitte Kowanz und Eva Schlegel beteiligt sind. Im Museumsquartier selbst wird das Jahresprogramm ergänzt mit einer "Performance Passage" gemeinsam mit Tanzquartier Wien und Ausstellungen wie Brigitte Felderers "Space of Urgancy".