Die "Verbindung" an der Vöest-Brücke der Stadtautobahn von Linz an der Südseite der Donau ist eine moderne Skulptur aus Chromnickel-Stahlblech, die von Nord nach Süd weist und auf einem Granitsockel montiert ist. Sie ist ein bekanntes Werk des Metallplastikers und Designers Helmuth Gsöllpointner, der 1972 mit dieser abstrakten Gestaltung verschiedene Themen ausdrücken wollte: den Optimismus der Aufbruchstimmung vor fünfzig Jahren, ebenso wie dynamische und veränderbare Entwicklungen, formal wie gesellschaftlich.

Um 1970 wurde die östliche Stadtautobahn von Linz gebaut, die später als Mühlkreis-Autobahn bekannt wurde. Helmuth Gsöllpointner erhielt den Auftrag, für die südwestliche Seite der Brücke, nahe dem südseitigen Donauufer, eine Skulptur zu gestalten. Die Aufgabe war, ein räumlich-visuelles Zeichen zu setzen, das Autofahrer (im besten Fall bei 80 km/h) wahrnehmen können. Ein Zeichen, das die Verbindung beider Donauufer ausdrücken sollte.

Verbindende Hände

Demnach stand der Gestalter vor der schwierigen Aufgabe, eine Form zu entwickeln, die nicht im stillen Betrachten vor Ort zu erkunden wäre, sondern im schnellen Vorbeifahren aus den jeweiligen Augenwinkeln. Weiters ist die Sicht auf das Werk entlang der Strecke von Nord nach Süd die bessere, weil die "Verbindung" auf einem eigenen Sockel neben der westlichen Brückenseite steht.

Als Thema war diese Aufgabe künstlerisch und räumlich zu Beginn der 70er Jahre relativ neu. Das damals international diskutierte Vorbild war die 1968 errichtete lange Skulpturenstrecke "La ruta de la amistad" (Straße der Freundschaft) im Süden von Mexiko-Stadt, die als kulturelles Programm zu den damals ersten lateinamerikanischen Olympischen Sommerspielen konzipiert war, wo Gsöllpointners spätere Freunde Mathias Goeritz (als Organisator) und Herbert Bayer (als teilnehmender Gestalter) tätig waren.

Für das Thema "Verbindung" wählte Gsöllpointner eine abstrakte, geometrische Form, die in Schichtungen gerade wie gerundete Teile enthielt, die sich in räumlichem Relief voneinander abheben und dadurch Schattenwirkung erzeugen. In einem Gespräch deutete Gsöllpointner an, dass ein Grundmotiv dieses Werks das Bild "sich verbindender Hände" war, gleichsam eine Verschränkung der beiden Donauufer von Linz. Dieser humanistisch gedachte Ansatz weist über die technische Leistung des Brückenbaus hinaus - und entsprach dem Spirit der damaligen Zeit.

Mann mit vielen künstlerischen und pädagogischen Facetten: Helmuth Gsöllpointner - © Bernhard Holub/CC BY-SA 4.0
Mann mit vielen künstlerischen und pädagogischen Facetten: Helmuth Gsöllpointner - © Bernhard Holub/CC BY-SA 4.0

Im Herbst 2019 wurden in Linz an verschiedenen Orten insgesamt vier Ausstellungen eröffnet, die sich dem Lebenswerk des Metallplastikers, Gestalters, Professors und Vermittlers Helmuth Gsöllpointner aus verschiedenen thematischen Richtungen annähern. Vier parallele Präsentationen sind ungewöhnlich, könnte man denken. Aber die ausgewählten Orte (Landesgalerie Linz, Kunstuniversität, Galerie MAERZ und der Aktionsraum LINkZ) zeigen in der jeweiligen Thematik in überschaubarer Darstellung das vielfältige Wirken des nunmehr 86-jährigen Künstlers und Lehrers, das seit über sechzig Jahren mit der modernen Entwicklung von Linz verbunden ist.