Thomas Hug kontert mit einem Lächeln. Auf die Feststellung, dass die neunte Ausgabe der Art Genève unter seiner Leitung auf einige bekannte Galerien-Neuzugänge wie unter anderen Lévy Gorvy, von Bartha, Massimo de Carlo oder Urs Meile als Teilnehmer verweisen kann, antwortet er: "Ja, das ist ein gutes Zeichen der Anerkennung einer relativ jungen Kunstmesse, wenn sich derartige Kaliber anmelden!" Und fügt hinzu: Aber entscheidend ist, dass die meisten Galerien wiedergekommen sind - unter ihnen Namen wie Gagosian, Hauser & Wirth, Pace, Continua oder Perrotin."

Kuratierte Kunstmessen

Zu Besuch in der Schweizer Boutique-Kunstmesse Art Genève. - © Christof Habres
Zu Besuch in der Schweizer Boutique-Kunstmesse Art Genève. - © Christof Habres

Die Boutique-Kunstmesse mit ihren knapp 90 Ausstellern definiert sich als "Salon d’Art", als exklusive Nischenveranstaltung gegenüber den Megamessen wie Frieze oder Art Basel.

Sind kuratierte, übersichtliche und flexiblere Kunstmessen à la Art Genève, Art Rotterdam, Artissima oder Viennacontemporary für den heftig umkämpften, vielschichtigen wie auch schlingernden Kunstmarkt besser gerüstet als die Großtankermessen? Gut platzierte Kunstmessen, die mittleren und kleineren Galerien aufgrund der Preisgestaltung eine reale Aussicht auf finanziellen Erfolg erlauben?

"Die Art Genève war für uns überaus erfolgreich, das hat mich sehr überrascht", erzählt der Luzerner Galerist Urs Meile der "Wiener Zeitung". "Wir haben bei unserem Erstantritt nicht damit gerechnet." Der renommierte Galerist, der seit den 1990er-Jahren eine Dependance in Peking betreibt, hat im Vorjahr auf die Teilnahme der Art Basel in Miami Beach verzichtet und die freigewordenen Budgetmittel in drei kleine Kunstmessen investiert: "Wir haben im November erstmalig die Artissima gemacht und waren sehr zufrieden. Genf war ebenfalls sehr gut", skizziert der Galerist seine Planungen. "Nur der Kunstmesse in Dallas im Frühjahr mussten wir leider absagen, weil Trumps Strafzölle wahnwitzig sind!" Meile hätte bei der Einfuhr von Arbeiten chinesischer Künstler vorab eine 15-prozentige Abgabe zahlen müssen. "Das wären über 350.000 Franken gewesen", zeigt er sich entsetzt ob der exorbitanten finanziellen Vorleistung. "Und falls wir nichts verlauft hätten, müssten wir einen monatelangen, aufreibenden Hindernislauf überwinden, um das Geld wieder zurückzubekommen!" Es ändert auch nichts, Arbeiten aus der Schweiz zu importieren. "Chinesischer Pass bedeutet zahlen!", ärgert sich Urs Meile über die massive Behinderung zeitgenössischen Kulturaustauschs.

China steht auch bei einem anderen Kunstmarkt-Kapitel im Mittelpunkt: Die Ausgabe der Art Basel in Hongkong steht vor der Absage. Sorgten schon die Unruhen in der Stadt für Bedenken unter den Galerien, es wurden Forderungen nach einem Nachlass von 50 Prozent der Messegebühren erhoben, weil sich das Gros der Sammler aus China vorab geweigert hat, die rebellische Metropole zu besuchen -, dürfte das Coronavirus der Messe den Rest geben.

Selbst wenn das Gesundheitsrisiko im März gebannt sein würde, muss jetzt die Logistik finalisiert werden. "Momentan geht rein gar nichts", berichtet Urs Meile, der im Auswahlkomitee der Art Basel Hongkong sitzt. "Die Anzeichen stehen auf Absage."

Nicht ohne "Cannabricot"

Kein leichter Schritt für die Messe Schweiz AG, der Eigentümerholding der Art Basel, die seit einigen Jahren mit finanziellen Turbulenzen zu kämpfen hat. Derart, dass sie selbst zu einem Übernahmekandidaten für Heuschrecken geworden ist. Wie der (Kunst-)Investor Sergey Skaterschikov, der bereits bei der Viennafair eine krude Rolle gespielt hat, und der sich 2019 an der Schweizer Messe beteiligt hat.

Zurück nach Genf. Hier schlugen sich Galerien wie Christine König respektabel: Arbeiten von Radenko Milak, Thomas Hartmann oder Rade Petrasevic wurden verkauft. Wer aufgrund der volatilen Lage des Kunstmarkts mit Ängsten oder Nervosität zu kämpfen hat, besuchte in Genf den Stand von Holy Weed. Neben einer Kunstinstallation hatten sie biozertifizierte Cannabis-Produkte wie Joints, Öle oder den mit Ölen angereicherten Marillenedelbrand "Cannabricot" im Angebot. Entspannung garantiert.